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Bundesvision Songcontest : Tonbandgerät tritt für SH gegen „krasse Konkurrenz“ an

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Sie treten gegen Revolverheld oder Jupiter Jones an: Tonbandgerät vertritt Schleswig-Holstein beim Bundesvision Songcontest. Im Interview spricht die Band über Nervosität und böse Youtube-Kommentare.

Ihr nehmt am Bundesvision Songcontest teil. Wie fühlt sich das für euch an?
Isa Poppensieker: Wir haben uns voll gefreut, weil wir auch schon seit Jahren den Bundesvision Songcontest gucken. Jetzt ist es umso schöner, wenn man selbst dabei ist.
Ole Specht: Wenn man in Deutschland Musik macht, ist ja richtig interessant, was aus Deutschland zusammenkommt. Da sind ja meistens viele Newcomer dabei, aber auch etablierte Acts. Dieses Jahr sind echt viele etablierte dabei. Das ist dann natürlich echt total toll, auch dabei zu sein.

Ole hat es grade angesprochen: Es nehmen teilweise große Bands wie Revolverheld und Jupiter Jones teil.
Jakob Sudau: Wir freuen uns total, diese Bands selber live zu sehen und zu gucken, was die alles auf die Beine stellen. Wir freuen uns, dass diese Bands dabei sind. Hoffentlich sehen viele Leute zu. Wir sind sehr, sehr gespannt.
Ole: Wir sind ja jetzt schon seit zwei Jahren viel unterwegs und haben von den Bands auch schon viele kennengelernt. Bosse hat letztes Jahr gewonnen. Der wird ja auch auf jeden Fall da sein. Den haben wir auch mal supportet. Mit den Revolverhelden haben wir auch schon öfter gespielt. Mit OK Kid saßen wir vor vier, fünf Jahren mal bei der Sound Foundation von VW zusammen. Das war auch so ein Förderprogramm für Musik. Damals hießen die noch Jona S. Die treffen wir ständig. Es ist so toll, dass es bei denen jetzt auch so nach vorne geht. Ich glaube, es wird einfach ein richtig toller Abend.

Freut ihr euch auf irgendjemanden besonders?
Isa:
Ich finde den Song von Maxim sehr schön. „Alles versucht“ heißt der und ist richtig schön.
Ole: Ich bin auch total gespannt auf den Auftritt von Jupiter Jones, weil die jetzt einen neuen Sänger haben.

Wie kam es zu eurer BSC-Nominierung?
Ole: Die haben uns tatsächlich angefragt. Wir haben uns letztes Jahr beworben und wurden leider nicht genommen. Dieses Jahr haben wir uns gar nicht beworben. Die sind aber auf uns zugekommen und haben gefragt, ob wir nicht Lust hätten, mitzumachen.
Isa: Ole hat irgendwann zusammen mit den heavytones in Hamburg gespielt. Die fanden das so toll und haben das wohl auch weiter erzählt.

Euer Song, mit dem ihr beim Bundesvision Songcontest antretet, heißt „Alles geht“. Was glaubt ihr denn, was für euch geht?
Ole:
Es ist schwierig, weil es so eine krasse Konkurrenz ist. Am Ende werden ja immer die Punkte verteilt. Es wäre schon schön, auf der linken Seite der Tabelle stattzufinden, also unter den ersten Acht zu sein.

Was sind eure Stärken?
Ole: Wir sind zwei Mädels und zwei Jungs. Wir haben eine Konstellation, die es so einfach nicht gibt. Das ist was Interessantes – vor allem, wenn man das so bildlich vor sich hat. Ich glaube, wir haben mit „Alles geht“ auch einen guten Song. Wir haben uns jetzt zwei Jahre lang durch Deutschland hoch und runter gespielt und ich glaube, dass wir den ein oder anderen schon erreicht haben.

Wodurch?
Ole:
Durch unsere Liveshows. Wir haben sehr viel live gespielt und uns von einer ambitionierten Schülerband wirklich weiterentwickelt. Ich glaube, wir haben letztes Jahr über 120 Konzerte gespielt. Wir haben dieses Jahr auch schon 50 gespielt. Ich glaube, dass wir da ganz schön viel Erfahrung sammeln konnten und viel an unserer Livepräsenz gearbeitet haben.

Wie bereitet ihr euch auf den Bundesvision Songcontest vor?
Ole:
Sit-ups und Liegestütze. Nee, wir haben das große Glück, dass wir vor dem Bundesvision Songcontest noch eine kleine School-Rock-Tour spielen und immer an Vormittagen an Schulen spielen. Da werden wir dann bis ins Detail „Alles geht“ proben. Sonst macht es grade echt auch Bock, sich noch mal zu überlegen, was wir auf der Bühne machen könnten. Wir waren bei „Inas Nacht“, aber abgesehen davon ist das für uns der erste große Fernsehauftritt.
Sophia Poppensieker: Wir können echt viel bestimmen. Die Bühne gehört uns, auch von der Deko her. Es ist eine sehr große Bühne, da machen wir schöne Sachen.

Seid ihr nervös?
Jakob:
Ich glaube, das kommt auf jeden Fall. Wir haben schon mal an dem Music Award teilgenommen und ich weiß auch noch: Davor waren unsere Herzen ziemlich am Flattern. Ich will gar nicht wissen, wie es an dem Abend oder in den Minuten davor wird. Ich glaube, da brauchen wir ein paar Leute, die uns dann auf die Bühne zerren.
Sophia: Das Schöne ist: Wenn man auf die Bühne geht, ist es weg. Sonst würde es auch nicht auszuhalten sein.
Ole: Sonst wäre es ein ganz schön anstrengender Beruf.

Wie habt ihr den Song für den Bundesvision Songcontest ausgewählt?
Jakob:
Wir hatten schon ein paar Songs fertig, als es zur Songauswahl kam. „Alles geht“ war auf jeden Fall auch schon einer von unseren Favoriten. Wir haben denen auch ein paar Songs zur Auswahl gestellt, mit denen wir sehr, sehr glücklich waren und bei denen wir gedacht haben, die würden alle super ankommen. Dann haben, glaube ich, auch Stefan Raab und Brainpool das mit uns zusammen entschieden. Wir haben gesagt: „Alles geht“ ist eine frische, schnellere Nummer. Das könnte cool in den Rahmen passen. Wir sind total glücklich mit dem Song.

Wie kam es zu eurem Videodreh in New York?
Ole:
Wir hatten nicht so viel Zeit zu der Zeit und haben verschiedene Regisseure angefragt, ob die nicht Lust hätten, mit uns ein Video zu machen. Da hat ein Regisseur gesagt: „Ich hätte total Bock, aber ich bin grade in New York und habe eigentlich keine Zeit. Habt ihr nicht Lust, vorbeizukommen?“ Dann war das ziemlich spontan. Das Ganze hatte eine oder zwei Wochen Vorbereitung. Dann sind wir rübergeflogen und haben das da ganz spontan gemacht.

Wie ist es für euch, Isa und Sophie, mit seiner Schwester in einer Band zu sein?
Isa: Ich finde, das Verhältnis ist schon anders wie mit einer Freundin. Wir kennen uns einfach sehr gut und wissen, wie man Konflikten aus dem Weg gehen kann. Mit einer Freundin würde man vielleicht nicht ganz so offen umgehen wie mit einer Schwester. Ich finde es eigentlich sehr, sehr schön, so viel Zeit mit Sophia zu verbringen, weil wir auch früher schon sehr viel Zeit miteinander verbracht haben.

Auf Tour seid ihr als Band viel zusammen. Gibt es da auch mal Streit?
Jakob:
Wir haben jetzt noch nicht so viele Touren gespielt. Bis jetzt überwiegt diese Euphorie und das Unterwegssein. Große Streitereien gab es bis jetzt noch nicht. Wir freuen uns jeden Abend, oder in den USA jeden Vormittag, total zu spielen und danach dieses ganze Erlebnis zu haben. In irgendwelchen Hotels zu schlafen und hinterher noch was trinken zu gehen. Das ist einfach im Moment die beste Zeit. Streiten – dafür ist im Moment noch kein Platz da.

Wer hat denn das Sagen bei euch?
Jakob: Das ist schwierig. Ich glaube, meistens ist es eher das Problem, das keiner das Sagen hat oder wir versuchen, alles demokratisch zu lösen. Wenn einer etwas doof findet, dann geht es eben nicht. Dann muss man drüber reden und es irgendwie versuchen zu lösen. Das kann oft auch dauern. Wenn einer etwas blöd findet, kann man es eigentlich so nicht machen – vor allem, wenn es um Musik geht. Wir können ja nicht irgendwas auf die Platte machen und dann müssen wir das die nächsten Jahre live spielen und einer findet das die ganze Zeit blöd. Und Kompromisse zu finden, ist auch nicht immer das Beste. Das sind schon schwierige Diskussionen, die wahrscheinlich jede Band hat.

Sophia, du schreibst die Texte. Kann Ole da noch „seinen Senf dazugeben?“
Sophia:
Es sind keine Texte, die nur auf mich bezogen sind. So Tagebuchtexte. Wir sind so viel zusammen, wir erleben so viel gemeinsam – dann handeln die Texte eher davon. Er kann schon was dazu sagen, aber das passiert relativ selten. Da geht es dann eher darum: „Hier brauche ich eine Pause. Das kann ich so nicht singen.“
Ole: Ich habe das Gefühl, dass Sophia richtig viel über den Bandkosmos schreibt und das es richtig unsere Songs werden. Damit hätte ich, glaube ich, auch ein Problem, wenn ich das Gefühl hätte, dass ich Sophias Songs singe. Natürlich schreibt Sophia die, aber ich habe das Gefühl, dass die in dem Bandkosmos so funktionieren und das die auch daher kommen. Wenn ein neuer Song kommt, ist es auch oft so, dass sich jeder schon so ungefähr denken kann: Darum geht es, das war vielleicht die Situation.

Eure Texte sind sehr persönlich. Wie geht ihr mit Verrissen um?
Ole:
Professionell müsste man sagen, dass es einen überhaupt nicht interessiert und dass man auch überhaupt nicht googelt. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann finde ich das echt hart, weil es ja so etwas Persönliches ist. Wenn jemand schreibt, dass er es total blöd findet und dass es überhaupt nichts hat – mich trifft das schon. Vielleicht ist es auch ein gutes Zeichen, weil man sein Herzblut da so reinpackt. Auch wenn es nur ein YouTube-Kommentar ist – mir kann es echt den Tag ruinieren. Das klingt jetzt ein bisschen hart, aber es ist schon so, dass mich das beeinflusst.
Sophia: Wir haben, bevor wir uns an die Arbeit für das zweite Album gesetzt haben, alle Verrisse ausgedruckt. Nicht um zu sagen „Lasst uns das mal besser machen“, sondern um einzugrenzen, was das für Dinge sind, die andere an uns doof finden, und wie wir daraus was Cooles für uns machen können. Ich glaube, es ist wirklich wichtig, dass dich Leute hassen. Und ich glaube, da ist bei uns noch Potenzial nach oben.

Euer neues Album habt ihr für nächstes Jahr auf Facebook angekündigt. Was könnt ihr dazu schon verraten?
Ole:
Wir haben schon total viele Demos zusammen. Es wird auf jeden Fall anders klingen. Ich fände es auch total doof, wenn es genauso klingen würde wie das erste. Nicht, weil wir irgendwas gegen das erste haben, sondern weil es anders klingen muss. Wir haben echt schon viel geschrieben und ich freue mich auch total auf ein paar Sachen, wenn wir die im Studio ausfummeln können.
Sophia: Und auf das Livespielen. Jetzt spielen wir manchmal anderthalb Stunden. Das ist mit einem Album manchmal schon ein bisschen viel. Wenn man sich das aussuchen kann – das wird sehr schön.
Ole: Wir spielen auch jetzt schon einige Songs live und wir freuen uns immer total, das zu spielen und zu gucken, wie das ankommt. Wir sind die größten Fans davon. Es ist Tonbandgerät. Die Leute mögen es und das freut uns total.

Was ist denn typisch Tonbandgerät?
Ole:
Ich glaube, dazu muss man das Album hören. Live ist es dieser Charme von zwei Mädchen – zwei Jungs. Und dieses Junge, Frische, das man, glaube ich, auch auf der Platte hört. Ich hoffe, es ist bodenständig.

Im Funkhaus Kiel sprach die Band Tonbandgerät mit der Jugendredaktion der Eckernförder Zeitung über ihre Teilnahme am Bundesvision Songcontest (BSC). Schleswig-Holstein ist die Heimat von Isa und Sophia. Sie sind in Lütjensee aufgewachsen.

 

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