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Ausstellung in Kiel : Tobias Duwes schweißtreibende Malerei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Norddeutsche Realist Tobias Duwe bannt Industrieszenen in Schleswig-Holstein auf Leinwand. Seine Werke werden bis zum 20. Oktober in der IHK Kiel ausgestellt.

Kiel | Schwerstarbeit festgehalten mit feinen Pinselstrichen: Eine ungewöhnliche Ausstellung eröffnete gestern Abend der Ehrenpräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages und Konsul Hans Heinrich Driftmann in der Merkur-Galerie der IHK in Kiel. Dabei werden über 60 Gemälde von Tobias Duwe gezeigt, die ausschließlich der industriellen Produktion gewidmet sind.

„Wir wollten mit den Mitteln der Kunst die Industrie in den Fokus der Betrachtung nehmen“, erklärt Michael Legband. Er ist Pressesprecher der Industrie- und Handelskammer in Kiel und hat schon lange seine Vorliebe für die Malerei der Norddeutschen Realisten entdeckt. Es war Tobias Duwes Idee, sich ein Jahr lang ausschließlich dem Thema Industrie zu widmen. Die IHK unterstützte dieses Vorhaben zusammen mit zehn Unternehmen des Kammerbezirks.

Und so malte der Künstler an insgesamt 210 Tagen Industrie: In Kiel die großen Werkhallen von Vossloh mit Szenen der Montage von Diesellokomotiven, bei Edur die Pumpen- und Motorenproduktion, bei Stryker Trauma unter sterilen Bedingungen die Fertigung hochkomplizierter Prothesen für den klinischen Bereich und bei Korth Kristalle in Altenholz die Züchtung von Kristallen und Fertigung optischer Geräte. In Büdelsdorf arbeitete Duwe neben riesigen Frontladern bei Mecalac Baumaschinen und zwischen endlosen Stapeln von Entwässerungsrinnen bei ACO Severin Ahlmann.

Besonders gereizt hat Duwe das Malen in Betrieben der schweißtreibenden Produktion, dort, wo aus glühenden Tiegeln stählerne Objekte gegossen werden, wie bei dem Glückstädter Schiffsschrauben-Hersteller Otto Piening Propeller oder bei der Baack-Spatenfabrik in Oelixdorf und dem Kröger Kranbauwerk in Neumünster. Warum solch unwirtlich scheinende Industrieorte auch für den Künstler interessant sein können, zeigt spätestens Duwes monumentales Stillleben von Schrauben und Muttern der Barmstedter Dreh-Norm-Fabrik.

Es kommt sicher nicht von ungefähr, dass der 1961 geborene Tobias Duwe als Spross einer malenden Künstlerfamilie sich gerade mit solch spröden Themen befasst, die auch sein Vater Harald Duwe immer wieder faszinierten. Doch die Tradition der Industriemalerei ist älter – man denke an das berühmte Eisenwalzwerk von Adolph von Menzel aus dem Jahr 1875, auf das auch Kunsthistoriker Bernd Brandes-Druba in seinem Katalog-Aufsatz verweist. Für den Schirmherrn des Projektes Hans Heinrich Driftmann hat die Industriemalerei seit dem 19. Jahrhundert Tradition. „Für uns war es völlig normal, dass Tobias Duwe schon 2004 im Werk malte – dennoch war er eine besondere Entdeckung für uns.“

Und Duwe, der bereits 2000 die Müllverbrennungsanlage in Hamburg-Stapelfeld malte und bislang in rund 30 weiteren Betrieben, lässt sich gerne mitreißen von der Dynamik und dem Lärm der Produktion. Zur Frage nach rauer Alltagswirklichkeit und Ästhetik hat er nur eine Antwort parat: „Wenn das Bild gelungen ist, dann ist es immer auf irgendeine Weise schön.“

IHK Kiel, Bergstr. 2. Bis 20. Oktober, Mo-Do 8-17 Uhr, Fr 8-15.30 Uhr.

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erstellt am 11.Sep.2013 | 08:00 Uhr

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