Kolumne "Blickwinkel" : Theater in der Sommerpause

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13. August 2011, 12:10 Uhr

Dass der Begriff "Sommer" mittlerweile nur noch eine freundlichere Umschreibung für kalte Regentage ist, wird derzeit wieder hinreichend bewiesen. Deshalb würde das schöne Wort "Sommerpause" viel besser zum Wetter passen als zum Theater, wo es eigentlich angesiedelt ist.

Das Landestheater befindet sich seit einigen Wochen in der Sommerpause, und was nach Entspannung und Ruhe klingt, bedeutet am Ende, man ahnt es, natürlich das genaue Gegenteil. Von Entspannung und Ruhe waren die Macher des Landestheaters in den spielfreien Monaten nämlich in etwa so weit entfernt wie die Schleswig-Holsteiner von der Sonne.

In Schleswig bröckelte die Bausubstanz der städtischen Spielstätte derart, dass mittlerweile - wenn auch noch unter der Hand - von Abriss die Rede ist. Die Sanierung des altehrwürdigen Gebäudes mit Blick auf die Schlei soll sich nicht mehr lohnen, eine Mehrzweckhalle ist deshalb als Alternative in der Diskussion. Das klingt nicht nur nach logistischen Problemen, sondern auch nach wenig Charme. Solche Gebäude sind meist funktional, schön sind sie nicht. Und bis die Halle fertig ist, müssen alle Schleswiger Abonnenten in andere Spielstätten gekarrt werden.

Dort wird das Publikum dann auch die Abschiedsvorstellungen von Generalmusikdirektor Mihkel Kütson verfolgen können. Der gebürtige Este verlässt 2012 das Theater, und damit geht eine der zentralen Figuren. Für die Außenwirkung des Hauses ist sein Wechsel fatal, nicht nur, weil die Leitung es für unnötig befand, dem geschätzten Publikum den seit Juni feststehenden Wechsel mitzuteilen. Nein, es beginnt offensichtlich auch im Personalbereich zu bröckeln. Dass die Beziehung zwischen dem Generalmusikdirektor und seinem Intendanten Peter Grisebach nicht die beste sein soll, ist bestimmt auch ein Grund für Kütsons Abgang, aber wohl nicht der entscheidende. Ihm fehlen die Perspektiven; das Angebot für eine Vertragsverlängerung um nur ein Jahr und die Binnensicht auf die Situation des Hauses trugen gewiss ihren Teil zum Abschied des Musikchefs bei. Welche Auswirkungen seine Entscheidung auf die Wechsellust anderer Ensemble- und Orchestermitglieder hat, lässt sich derzeit noch nicht beantworten. Schließlich ist noch Sommerpause - auch wenn das Theater schon angefangen hat.

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