zur Navigation springen

Kieler Schauspielhaus : „The Rocky Horror Show“: Party auf der Bühne und im Parkett

vom

Der „Time Warp“ ist nach zwölf Jahren zurück in Kiel. Besucher des Schauspielhauses sollten sich mit Klopapier, Reis und Zeitungen ausrüsten.

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2013 | 20:25 Uhr

Kiel | Die Reinigungskräfte im Kieler Schauspielhaus müssen ab sofort Sonderschichten einlegen. „The Rocky Horror Show“ ist nach zwölf Jahren Abwesenheit zurück auf der Bühne der Landeshauptstadt und das Premierenpublikum zeigte sich mit Reis, Konfetti und Klopapier bestens gerüstet für das Kult-Musical von Richard O’Brian. Hüte aus gefalteten Zeitungen schützten vor dem Regen aus Hunderten von Wasserspritzpistolen, ein Meer aus roten Stablampen erleuchtete den Saal beim ersten romantischen Song. Am Ende gab es Standing Ovations und nicht enden wollenden Applaus für ein glänzendes Ensemble und eine rasante Inszenierung, die keine Wünsche offen ließ.

Regisseur Ingo Putz und Ausstatterin Mirjam Benkner ist ein nahezu perfekter Mimikry gelungen – eine bemerkenswerte Leistung, denn die legendäre Verfilmung des Bühnenstückes von 1973 ist in den Köpfen vieler Zuschauer fest verankert. Dass die Kieler Version zusätzliche Schmankerl am Rande bereithält, macht das Ganze um so sehenswerter.

Und hören lassen kann sich die Aufführung auch. Ture Rückwardt und seine Band rockten das seit Wochen ausverkaufte Theater von der ersten Minute an. Zacharias Preen näselt sich als Riff Raff gemeinsam mit Yvonne Ruprecht (Magenta) durch den Prolog und packt dann mit „Science Fiction/ Double Feature“ die Rockröhre aus. Auch seine Mitspieler zeigen sich sämtlich bestens bei Stimme, allen voran Maxine Kazies (Janet), die an der Seite eines herrlich subalternen Christian Kämpfer (Brad) überzeugend die Unschuld vom Lande gibt, und Imanuel Humm, der als Frank ’N’ Furter in Strapsen und Korsage weniger tuntig als despotisch finster auftrumpft. Akzentuiert lässig performt er den Kultsong „Sweet Transvestite“ und erntet dafür einmal mehr begeisterten Szenenapplaus. Der Figur des Erzählers, der in seinem Wohnzimmerchen am rechten Bühnenrand dem Whiskey zuspricht, gibt Christian Klockow täppisches Profil, wenn er sich mit linkischen Schritten dem vom Publikum umjubelten „Time Warp“ der Außerirdischen (Choreographie: Vivienne Hötger) anschließt. Goldbestäubt mit kulleräugigem Blick turnt Marko Gebbert als Rocky über Bühne und Zuschauerränge – ein großes Baby, das unter seiner blonden Perücke unsagbar doof aus der kaum vorhandenen Wäsche schaut. Dem Kultstatus des Stückes wird diese Inszenierung allemal gerecht – und macht garantiert gute Laune.

>Karten unter 0431/901901 oder www.theater-kiel.de

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen