Sonntagskrimi : "Tatort": Eine Vespa gegen alle Harleys

Devid Striesow als Kommissar Jens Stellbrink (l) und Elisabeth Brück als seine Kollegin Lisa Marx in einer Szene des neuen Tatort-Krimis 'Eine Handvoll Paradies'. Foto: SR/Manuela Meyer
Devid Striesow als Kommissar Jens Stellbrink (l) und Elisabeth Brück als seine Kollegin Lisa Marx in einer Szene des neuen Tatort-Krimis "Eine Handvoll Paradies". Foto: SR/Manuela Meyer

Devid Striesow bescheinigt dem von ihm dargestellten Saarbrücker "Tatort"-Kommissar eine Ablehnung von 80 Prozent der Zuschauer. Auch unseren Kritiker konnte er nicht überzeugen.

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09. April 2013, 08:05 Uhr

Nicht genug, dass Saarbrückens Neukommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) bei seinem Einstand Ende Januar gezeigt hat, wie Mätzchen-Alarm im "Tatort" wirklich geht (da dürften selbst Prahl und Liefers die Augen gerollt haben), nein, heute Abend ist der nächste Affront dran. Als hätten sich "Tatort"-Kollegin Charlotte Lindholm und das "Polizeiruf"-Team Bukow/König nicht grad erst mit Rockern rumgeschlagen, zieht nun auch der jecke Jens mit seiner Vespa gegen die Harleys.

Das sieht drollig aus. Besonders, wenn zum Schluss ein enttarnter Undercover-Polizist (Tim Olrik Stöneberg) kopfüber an einer Kette baumelt und von den Rockern gerade ersäuft wird, als Stellbrink allein und ohne Waffe dazwischen geht: "Meine Herren, Sie wollen sich doch jetzt nicht strafbar machen, oder?" Das ist mehr als drollig, das ist tollkühn. Oder komplett verrückt. Wovon Stellbrinks Kollegen Lisa Marx und Horst Jordan ja sowieso längst überzeugt sind (Elisabeth Brück, Hartmut Volle). Immer wieder müssen sie ihm aus der Patsche helfen.

Zweiter Versuch, zweiter Flop

Dabei glänzt die Knuddellocke erneut mit etlichen Geistespirouetten, um den "Dark Dogs" auf die Schliche zu kommen. Denn eines ihrer Mitglieder wurde unschön ins Jenseits befördert. Doch ausgerechnet Staatsanwältin Nicole Dubois (Sandra Steinach) bremst Stellbrink aus. Nicht der Mord sei jetzt wichtig, sondern der Schlag gegen die ganze Gang, weil die gerade eine neue Wunderdroge namens "Paradies" verticken will. Soso.

Auch Regisseur Hannu Salonen erliegt nun der Versuchung, Stellbrink gleichermaßen als Depp und als Genie zu verkaufen ("Columbo" oder "Dr. Psycho" lassen grüßen). Doch so, wie er seinen Star Striesow an der langen Leine lässt, so missraten ihm die anderen Figuren. Vor allem die knittrigen Alt-Rocker, die mit jedem Spruch und jeder Macho-Geste von der Figur zur Karikatur mutieren. Was soll dann noch ein brisanter Plot (Buch: Felice Götze), wenn alles - auch das Tragische und Brutale - nur noch saukomisch wirkt?
Zweiter Versuch, zweiter Flop. Hoffen wir, dass Striesow beim dritten Mal endlich punktet.

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