zur Navigation springen

TV-Kritik : Tatort Bremen: Inga Lürsen wühlt im Müll

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Tatort aus Bremen mit Sabine Postel als Kripo-Tantchen Inga Lürsen ist ein jammervoller Krimi. Schauspieler Roeland Wiesnekker rettet den Film - in einer richtig fiesen Hauptrolle.

Roeland Wiesnekker ist ein Chamäleon. Immer wieder fällt der Schweizer Mime (Baujahr 67) in skurrilen kleinen Rollen auf. Ob als rührseliger Familienvater („Tarragona – Ein Paradies in Flammen“), als schräger Killer („Mörder auf Amrum“) oder als klampfender Hausmeister („Ich habe es dir nie erzählt“). Unvergessen: sein Sprit-Bulle Victor an der Seite von Christian „Dr.Psycho“ Ulmen.
Doch so klein seine Rollen auch sind, so sehr bleiben sie in uns haften. Weil dieser Typ unberechenbar ist, irritierend und bunt. Chamäleon, eben. Immer öfter wird er daher auch gebucht (wie letzten Montag im „Spreewaldkrimi“).

Und jetzt darf Wiesnekker sogar mal richtig ran. In einer richtig fiesen Hauptrolle. Womit er gleich einen ganzen „Tatort“ rettet. Denn was er als Boss einer Bremer Müllkutscher-Gang aus ehemaligen Knackis bietet, ist das einzig Sehenswerte dieses eher jammervollen Krimis. Einer der Ex-Knackis wurde abgestochen, weil er offenbar plaudern wollte – über die krummen Deals in der Müllbranche (Patrick von Blume, Bernd Stegemann), über Geldwäsche, verstrahlten Abfall und über „Papa“ (Wiesnekker), den heimlichen Paten des Müllfahrer-Reviers.


Ein bisschen viel Dreck und Gewusel für Kripo-Tantchen Inga Lürsen samt ihres Sidekicks Stedefreund (Sabine Postel, Oliver Mommsen). Denn nur mühsam puzzeln diese sich durch die Beziehungskisten der Müllmänner und ihrer Familien. Zwischen Ein- und Ehebruch, Heul- und Prügelattacken, blutigen und goldenen Nasen. Lürsen und Stedefreund mittenmang? Ein einziges Missverständnis!


Zum Glück wissen wir: Regisseur Florian Baxmeyer kann das besser. Zu oft haben uns seine „Tatorte“ bisher begeistert (zuletzt: „Brüder“). Doch an diesem Abend findet er keinen Zugang zu seiner Geschichte - trotzdem schalten schalteten 9,7 Millionen Zuschaue ein.  Einem Drama, das authentisch sein will, aber doch nur in Prekariatsklischees schwelgt. So kann am Ende nur Frau Postel Wiesnekker Paroli bieten – als keifendes altes Weib, das einmal mehr die Welt nicht versteht. Uff!

zur Startseite

von
erstellt am 19.Mai.2014 | 09:16 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert