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Sonntagskrimi : "Tatort": Borowski ist verwirrt in Schleswig

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Ein Schuldirektor brennt in Schleswig. Doch das bringt "Tatort"-Kommissar Borowski nicht aus der Ruhe. Sein Gefühlsleben allerdings schon. Ein südschleswigsches Verwirrspiel.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2013 | 05:50 Uhr

Der Mordfall bringt Borowski dieses Mal kaum aus der Ruhe. Stattdessen setzen ihm Misstrauen unter Kollegen und ein kleiner Flirt sichtlich zu. Die Vorfälle um einen brennenden Schuldirektor auf dem Lucia-Fest an der dänischen Schule in Schleswig lösen in der Gefühlswelt des Kieler Kommissars (wie gewohnt solide gespielt von Axel Milberg) ein leichtes Chaos aus. Sein Freund und Vorgesetzter Roland Schladitz (Thomas Kügel) verschweigt ihm ein schreckliches Kindheitserlebnis, das in der Gegenwart zu zwei tödlichen Brandanschlägen führt, und verhindert so die Ermittlungen in die richtige Richtung. Seiner Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) vertraut Borowski ebenfalls nicht mehr. Zusätzlich verwirrt ihn die hübsche Südschleswigsche Kommissarin Einigsen (Lisa Werlinder), die die Ermittlungen leitet.
Der Fall "Borowski und der brennende Mann" bietet derweil alles, was ein "Tatort"-Fan sich wünscht: eine mysteriöse Atmosphäre, ein dunkles Geheimnis und viele interessante Verdächtige. Die Aufnahmen vom brennenden Schuldirektor und einer verkohlten Leiche in einer Gartenlaube sind zwar brutal, aber nicht übertrieben. Wer sonntags den "Tatort" einschaltet, muss darauf gefasst sein, auch mal schockiert zu werden.

Borowski hält sich für unwiderstehlich


Insgesamt bemerkt man einmal mehr die Orientierung des Kieler "Tatorts" an skandinavischen Kriminalfilmen. Regisseur Lars Kraume inszeniert ein realistisches Schauspiel und Kameramann Jens Harant liefert dazu stimmungsvolle Aufnahmen mit einem Gefühl für das Wesentliche. Die Handlung ist nachvollziehbar. Dabei wirkt es fast so, als hätte Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk Einfluss auf das Drehbuch von Daniel Nocke genommen. Nun, da der SSW in Kiel an der Macht ist, war es wohl an der Zeit, die dänische Minderheit zum Thema eines "Tatort"-Krimis zu machen.
Auf einen privaten Geschichtsunterricht von Kriminalrat Schladitz für Sarah Brandt und alle "Tatort"-Gucker, die noch nie etwas vom SSW gehört haben, folgt ein wehender Dannebrog. Dänische Hot Dogs werden zwar nicht vertilgt, jedoch trägt die Ermittlerin Einigsen ein dänisches Trikot als Nachthemd. In diesem Outfit und mit ihrer offenen Art verdreht sie Borowski den Kopf und es folgen die besten Minuten des Films. Der alternde Ermittler hält sich offenbar für unwiderstehlich. Er interpretiert die Aussage der hübschen Kollegin - "Ich gebe immer alles" - falsch. So erfährt Fernseh-Deutschland, wie sich Borowski verhält, wenn ihm etwas peinlich ist. Herrlich!
Neben der sympathischen Lisa Werlinder überzeugen auch die anderen Nebendarsteller: Michael Schenk als schrulliger Vater, Peter Mygind als windiger Geschäftsmann, Hans Peter Hallwachs als kauziger Brandermittler und Johanna Gastdorf als verwirrte Jugendfreundin. Diese vier geraten nacheinander ins Visier der Ermittler und bleiben jeweils sehr lange verdächtig. Einerseits führen kleine Andeutungen den Zuschauer immer wieder in die Irre. Andererseits gibt es versteckte Hinweise, die die Ermittler am Bildschirm auf die richtige Spur führen könnten. Am Ende herrscht wieder Ruhe im Kieler "Tatort" und in Borowskis Gefühlswelt. Die Mörderin ist gefasst, das Misstrauen unter den Kollegen vorerst abgebaut. Doch die Frage nach Schuld und Sühne kann dieses Mal selbst ein erfahrener Borowski nicht beantworten.
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