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„Blauwasserleben“ : Südsee-Mord im TV: ZDF zeigt Film über Segler aus Haselau

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Aus der Onlineredaktion

Im Oktober 2011 starb Stefan R. aus Haselau auf der Insel Nuku Hiva. Seine Lebensgefährtin Heike Dorsch überlebte. Am Sonntag kommt ihre Geschichte ins Fernsehen.

Haselau/Mainz | In der ZDF-Sonntagsreihe „Herzkino“ laufen normalerweise Rosamunde-Pilcher-Filme. Am Sonntag um 20.15 Uhr zeigt der Sender die Verfilmung einer wahren Tragödie, die eng mit dem Kreis Pinneberg verwoben ist: Am 9. Oktober 2011 wurde Stefan R. aus Haselau auf der Südsee-Insel Nuku Hiva erschossen, zerstückelt und verbrannt. Der Täter, ein damals 28-jähriger Tahitianer, fesselte außerdem Heike Dorsch, die Lebensgefährtin des 40-jährigen R., an einen Baum und belästigte sie sexuell. Heike Dorsch konnte fliehen. Sie schrieb 2012 ein Buch über die „Weltumsegelung, die zum Alptraum wurde“. „Blauwasserleben“ kommt jetzt ins Fernsehen.

Zum ersten Mal die Verfilmung zu sehen, sei für sie „ganz komisch“ gewesen, sagte Heike Dorsch in Hamburg bei der Vorstellung der ZDF-Produktion. „Man muss schon versuchen, ein bisschen Abstand zu bekommen.“

Der Fall sorgte damals für Aufsehen: Heike Dorsch und Stefan R. waren 2008 mit dem 14 Meter langen Katamaran „Baju“ zu einer Weltumsegelung gestartet. Am 9. Oktober 2011 waren Stefan R. und der Jäger Arihano Haiti, der ihn als Führer begleitete, auf Nuku Hiva im Wald unterwegs, um wilde Ziegen zu jagen. Heike Dorsch blieb auf dem Katamaran. Der Jäger sei allein aus dem Wald zurückgekommen, berichtete sie später. Er habe mit dem Beiboot, das für Stefan R. am Strand lag zum Katamaran des Paares übergesetzt. Ihr Freund sei verletzt, habe er gerufen, das Bein habe er sich gebrochen. Sie solle ihm helfen. Heike Dorsch stieg zu ihm ins Boot.

Im Wald machte sich Arihano Haiti über sie her, berichtete Heike Dorsch später. Er fesselte sie mit Plastikschnüren an einen Baum, verschwand, kam wieder, ging erneut. Heike Dorsch löste die Schnüre und befreite sich. Sie sei im Schutz der Dunkelheit zu einem holländischen Segler geschwommen. Von dort wurde über Funk die Polizei alarmiert. Die Polizisten fanden Knochenreste und Zähne von Stefan R. an einer Feuerstelle. Sie suchten auch die Insel nach der Tat ab, doch der Täter wurde nicht gefunden. Arihano Haiti stellte sich den Behörden 52 Tage später.

Der Fall hatte wegen Gerüchten über Kannibalismus blutrünstige Spekulationen angeheizt. Allerdings erbrachten die Ermittlungen keine Beweise für einen „Kannibalen-Mord“. Am 17. Mai 2014 verurteilte das Schöffengericht in Papeete (Französisch Polynesien) den Täter wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 28 Jahren. Der äußerte laut eines Berichts der Webseite „Tahiti Infos“ den Eltern des Opfers gegenüber Bedauern. Für seine Tat zeigte er allerdings keine Reue.

Laut „Tahiti Infos“ hatte Haiti nicht geleugnet, für den Tod des Weltumseglers verantwortlich zu sein. Jedoch stellte er seine Tat als Notwehr dar: Sein späteres Opfer habe ihn zuvor unter Drogen gesetzt, an einen Busch gekettet und vergewaltigt. Auch habe er Heike Dorsch nicht sexuell belästigt, sondern ihr lediglich zeigen wollen, was ihm durch ihren Lebensgefährten widerfahren sei. Eine Version der Ereignisse, die laut der Zeitung „La Provence“ von den Nebenklägern als absurd beschrieben wurde.

Arihano Haiti wurde in die Haftanstalt Nuutania gebracht, die zu den überfülltesten und baufälligsten Gefängnissen Frankreichs zählt. Papeete auf Tahiti ist Hauptstadt des französischen Überseegebiets Französisch-Polynesien, zu dem auch die Marquesainsel Nuku Hiva gehört.

Vieles an dem Fall ist nach wie vor unklar. „Ich weiß eben selber nicht, was passiert ist, und würde es gerne wissen“, sagt die 1974 geborene Dorsch. Das Buch „Blauwasserleben“ brachte Dorsch 2012 heraus – eine wichtige Station in ihrem Verarbeitungsprozess. „Es musste aus dem Kopf raus.“ In einem Interview aus dieser Zeit spricht sie darüber, wie sie die Erlebnisse in der Südsee verarbeitet hat.

In die Dreharbeiten war die Autorin ebenfalls eingebunden. Ihre Rolle im Film übernimmt Schauspielerin Stefanie Stappenbeck, zuletzt unter anderem als Til Schweigers Ex-Ehefrau im „Tatort“ zu sehen. Marcus Mittermeier („Bella und der Feigenbaum“) spielt Stefan. „Ich wollte keine Imitation von Heike erschaffen“, sagte Stappenbeck.

Das Drehbuch folge zudem nicht genau dem Roman. So wird etwa im Film Hamburg zur Heimat von Heike, im wahren Leben ist es Würzburg. Dort lebe sie heute „wie jeder andere in Deutschland“, sagt Dorsch. Stefans Familie indessen kommt in der TV-Geschichte nicht vor -  und auch Dorsch sagt sowohl in der Verfilmung als auch in der Realität dazu stets nur: „Die Eltern von Stefan würde ich gerne raushalten.“ Zwei Tage nach der Ausstrahlung des Films von Regisseurin Judith Kennel in der ZDF-Sonntagabendreihe „Herzkino“ widmet sich am 17. März (22.15 Uhr) eine „37 Grad“-Dokumentation dem „Mord im Paradies“.

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erstellt am 11.03.2015 | 10:00 Uhr

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