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Iseo-See in Norditalien : Stoff für Christos „Floating Piers“ wurde in Lübeck vernäht

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Christos neueste Installation besticht durch orangefarbenen Stoff. Und den soll man auch Fühlen, empfiehlt der Künstler.

shz.de von
erstellt am 18.Jun.2016 | 14:13 Uhr

Über das Wasser wandeln - das macht seit Samstag die spektakuläre Installation „Floating Piers“ des 81-jährigen Künstlers Christo im norditalienischen Iseo-See möglich. Christo und sein Team hatten in den vergangenen Monaten 220.000 Schwimmwürfel aus Kunststoff zusammengeschraubt und dann mit dem dahliengelb-schimmernden Polyamidgewebe überzogen, das in Münster hergestellt und in Lübeck vernäht worden war.

Zahlreiche Menschen spazierten bereits kurz nach Öffnung am Morgen über die drei Kilometer langen schwimmenden Stege, die mit gelb-orange schimmerndem Polyamidgewebe überzogen sind. Bis zum 3. Juli werden rund eine halbe Million Menschen erwartet, die das 15 Millionen Euro teure Kunstprojekt erleben wollen. Die Besucher sollten es „mit allen Sinnen“ genießen und wie einen „Boulevard“ im Wasser betrachten, der zu ausgedehnten Spaziergängen einlade - am besten barfuß, sagte Christo der Deutschen Presse-Agentur. 

Die Stege, die nicht schaukeln, sondern die Bewegung des Wassers in sich aufsaugen, sind drei Kilometer lang und 16 Meter breit. Sie wurden von Tauchern mit 190 tonnenschweren Ankern auf dem Grund des Sees befestigt. Sie verbinden den Ort Sulzano auf dem Festland mit der Insel Monte Isola und von dort mit dem Eiland San Paolo.

Der Stoff für Christos „Floating Piers“ wurde von der Lübecker Firma „Geo - Die Luftwerker“ zusammengenäht und verlegt. Die Zusammenarbeit mit einem namhaften Künstler wie Christo sei eine große Herausforderung, aber auch eine große Ehre für das Team gewesen, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens.Mehrere Monate lang hätten fleißige Näherinnen des Unternehmens in einer Werkhalle in Lübeck 18.000 Meter Stoff mit einer Breite von 5 Metern in der vom Künstler gewünschte Form zusammengenäht. Anschließend wurde der Stoff für den Transport nach Italien vorbereitet.

Das in Münster produzierte Polyamid-Gewebe sei von einem Hubschrauber an festgelegten Stellen der Stege abgeworfen worden, sagte Megan Sheekey von Christos Team der Deutschen-Presse-Agentur. In den vergangenen Tagen hätten schließlich der Lübecker Firmenchef Robert Meyknecht und sein Team vor Ort letzte Hand an das Kunstwerk gelegt, erklärte eine Mitarbeiterin. 

Für das Mitte der 1990er Jahre gegründete Unternehmen ist es bereits die zweite Zusammenarbeit mit dem Verhüllungskünstler Christo. 2013 hatte es die Indoor-Installation Big Air Package im Gasometer Oberhausen konstruiert und gebaut. Das Unternehmen stellt unter anderem Hüllen für Luftschiffe, Heißluft- und Gasballone her.

Christo ist weltweit berühmt für spektakuläre Großprojekte und Verhüllungsaktionen, die er jahrzehntelang gemeinsam mit seiner 2009 gestorbenen Frau Jeanne-Claude verwirklicht hat. Zu den bekanntesten Werken gehören „Der Verhüllte Reichstag (Berlin 1995), “Surrounded Island„ (Florida 1983) und “The Gates (New York 2005).

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