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"Die Arena" : Stephen Kings gesellschaftspolitische Horrorvision

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Stephen King wird in seinem fast 1300 Seiten langen Roman so politisch wie nie zuvor. "Die Arena" zeigt die schlimmsten Seiten von Menschen, die eben noch Nachbarn waren.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2009 | 12:26 Uhr

Eine unsichtbare Kuppel schneidet eine amerikanische Kleinstadt von der Außenwelt ab. Die Menschen kämpfen ums Überleben, bedroht von machtgierigen Politikern und mordlüsternen Irren. Stephen Kings neuer Roman "Die Arena" zeigt die schlimmsten Seiten von Menschen, die eben noch Nachbarn waren.

Was bedeutet es, wenn eine unerklärliche Barriere eine Stadt von jeder Verbindung nach außen trennt? In der Welt von Stephen King bleibt da wohl nur die Apokalypse. Gleichzeitig wird King in dem monumentalen, fast 1300 Seiten langen Roman so politisch wie nie zuvor: Unter der Kuppel finden der Klimawandel, der Irakkrieg und christliche Fundamentalisten Platz. Anspielungen auf die Regierung Bush sind überdeutlich, auch wenn die Geschichte im Jahr 2012 spielt. Dale "Barbie" Barbara, Irakkriegsveteran und Hauptfigur, hat schon den richtigen Riecher, als er die Stadt verlassen will.
Nichts hilft gegen die Kuppel

Daran hindert ihn in letzter Sekunde die Kuppel. Zu seinem Unglück: Etwa 2000 Menschen leben in dem Provinznest Chesters Mill. Doch nachdem das unsichtbare Kraftfeld einem Fallbeil gleich vom Himmel gesaust ist, beginnt nach und nach das große Sterben. Weder Säure noch Raketenbeschuss helfen gegen die Kuppel, unter der es immer wärmer und die Luft immer schlechter wird.

Draußen stehen ratlos die US-Truppen, drinnen zerschellen Flugzeuge und Autos an der unsichtbaren Barriere, Menschen sterben. Leichenteile und tote Vögel markieren die Grenze der Kuppel. Notstromaggregate laufen, das Ende der Energieversorgung ist abzusehen. Was folgen muss, ist Panik.
"King of Horror" zeigt menschliche Schwächen auf

Der Leser lernt Unmengen von Menschen kennen, sorgsam beschreibt der Autor die einzelnen Charaktere der Apotheker und Arzthelfer, Polizisten, Verkäufer und Kellner, ihre Angewohnheiten, Vorlieben und Schwächen. Und dann lässt er die Katastrophe zuschlagen, mit staunenerregender Wucht.

Doch bis dahin lässt der "King of Horror" die schlimmsten menschlichen Eigenschaften sich austoben. Immer hemmungsloser und brutaler wird vergewaltigt und gemordet, während sich der skrupellose zweite Stadtverordnete und Gebrauchtwagenhändler "Big Jim" Rennie zum Herrscher der Kleinstadt aufschwingt. Ihm geht es um Macht - und Profit, denn die zur religiösen Rechten zählende Spitze der Stadtverwaltung betreibt das größte Drogenlabor der USA. Rennie errichtet eine Schreckensherrschaft und vergleicht sich mit Jesus - wohl kaum ein anderer Roman Kings ist derartig mit Bibelzitaten gespickt.
Im Nachwort gesteht King, schon 1976 habe er den Roman mit dem Originaltitel "Under the dome" schreiben wollen - damals scheiterte er an den technischen Details. Die schrecken ihn heute nicht mehr. Sein Anspruch sei gewesen, "ein Buch zu schreiben, in dem das Gaspedal ständig durchgetreten bleibt". Es ist aber auch ein Buch über die Angst des Einzelnen, der sich Kriminellen ausgeliefert sieht: "Ich glaube nicht, dass man gegen eine Gruppe ankommt, die zu Grausamkeit entschlossen ist", sagt eine von "Barbies" Verbündeten. "Die Arena" lehrt, dass alles immer noch viel schlimmer kommt.
Stephen King: "Die Arena", Wilhelm Heyne Verlag, München, 1277 Seiten, 26,95 Euro, ISBN 978-3-453-26628-5

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