"Allgegenwärtig" : Stationen einer besonderen Ehe

Maria Kindler-Reese erinnert an ihren Mann Helmut Kindler. Foto: Kühl
Maria Kindler-Reese erinnert an ihren Mann Helmut Kindler. Foto: Kühl

"Allgegenwärtig" - Malerin Maria Kindler-Reese erinnert an ihren verstorbenen Mann Helmut Kindler.

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24. September 2009, 10:00 Uhr

Eckernförde | Es war eine ehrliche und leidenschaftliche Beziehung, die die Malerin Maria Reese und der berühmte "Bravo"- und Literaturlexikon-Verleger Helmut Kindler im November 1997 im Atelier der Malerin am Wittensee eingingen. "Ich wollte ihn als Muse, er wollte mich als Frau", sagt Maria Kindler-Reese, die elf offenbar wunderbare Jahre an der Seite des einflussreichen Verlegers verbrachte. Beide hatten kurz vor ihrer Bekanntschaft ihre Ehepartner verloren - sie den 32 Jahre älteren Maler Carl Lambertz, er seine Frau Nina - und dennoch entflammten sie füreinander. Oder deswegen? Maria Reese hatte den Segen für eine neue Partnerschaft von ihrem todkranken Mann erhalten: "Heirate wieder, aber heirate einen Mann wie mich, der dich so liebt wie ich." Ihre neue Liebe war fast 85 Jahre alt und wild entschlossen. Kindler war derart von Maria Reese eingenommen, dass er ihr schon beim ersten Besuch am Wittensee einen weißen Hochzeitsstrauß schenkte und in der 20 Jahre jüngeren Malerin nach anfänglicher Reserviertheit ("Ich glaube, Sie brauchen eine Krankenschwester, Herr Kindler") eine ebenso leidenschaftliche und zugewandte Partnerin für seinen Lebensabend fand, der am 15. September 2008 im Alter von 96 Jahren in Küsnacht bei Zürich endete.
"Sein Pfeil hatte mich bereits mitten ins Herz getroffen", schreibt Maria Kindler-Reese in ihrem soeben erschienenen Buch "Allgegenwärtig" über die von gegenseitiger Bewunderung und Verehrung getragenen Liebesbeziehung zu ihrem "Methusalem". Ihr aus zwölf Bildern bestehender Zyklus ist in den zwölf Monaten nach Kindlers Tod entstanden. Die grafisch und von Formensprache geprägten Arbeiten spiegeln die Liebesbeziehung des außergewöhnlichen Paares wider, vom berauschenden Beginn bis zum Austreten der Seele. Es sind gleichsam symbolträchtige Ausschnitte aus gemeinsamem Erleben mit immer wiederkehrenden Anspielungen auf Kindlers dichtes, weißes Haar, sein Wissen und seine Stärke sowie zwei Vögeln als Himmelsboten.
Maria Kindler-Reese: Allgegenwärtig, Erinnerungen an Helmut Kindler in Text und Bild, Radius Verlag, Stuttgart, ISBN 978-3-87173-084-2, 57 Seiten, 24 Euro

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