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Neues Kochbuch mit Heimatrezepten : „Sprotten, Mutt und Ofenkatze“: Künstler Sven Brauer würdigt norddeutsche Rezepte

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Der in Buxtehude lebende Künstler hat ein Kochbuch mit eigens gesammelten norddeutschen Rezept-Klassikern verfasst.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 08:43 Uhr

Buxtehude | „Eten un Drinken holt Lief un Seel tosamen“, sagte schon Sven Brauers in Hamburg-Altona lebende Großmutter gern, wenn der Enkel sie zum Einkaufen auf den Fischmarkt an der Elbe begleitet hat. Wo damals, so um 1970, noch viele Fischer ihren Fang aus Nord- und Ostsee frisch vom Kutter verkauften. Heute macht der 56-Jährige dieser ernährungsbewussten Tradition seiner Arbeiterfamilie alle Ehre. Unter dem Titel „Sprotten, Mutt und Ofenkatze“ hat der im niedersächsischen Buxtehude vor den Toren der Hansestadt lebende Künstler gerade ein Kochbuch geschaffen, das die Lust auf Essen und Trinken wahrhaft anregt. Ganz und gar im norddeutschen Sinne, versteht sich (KJM Buchverlag, Hamburg).

Das neue Buch des Kochbuch-Autors Sven Brauer, dem Großneffen des legendären Hamburger Nachkriegsbürgermeisters Max Brauer (1887-1973).
Das neue Buch des Kochbuch-Autors Sven Brauer. Foto: dpa
 

Ob Dickmilch, Aal- und Fliederbeersuppe, Gefüllter Hecht oder „Himmel und Erde“ (Kartoffelbrei mit Äpfeln und Blutwurst): Solche Rezepte hat Brauer, ein Großneffe des legendären Hamburger Nachkriegsbürgermeisters Max Brauer (1887-1973), Freunden und Bekannten, Marktfrauen, Fischhökern und Alteingesessenen aus Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein buchstäblich aus der Tasche gezogen. Doch der Clou seines Werks sind nicht allein die heimatlichen Kochvorschläge. Auch köstlich filigrane, bunt colorierte Zeichnungen aus seiner Hand machen den Band zum sinnlichen Vergnügen.

Schwein und Hecht, diverse Leuchttürme, Bremens Roland oder auch das Lüneburger Rathaus spiegeln den Geschmack des Nordens ebenso wie die Rezepte. Als Vertreter der aktuellen Bewegung des „Urban Sketching“ hat der freie Künstler und Zeichenlehrer, der Raumausstatter gelernt und später in Werbeagenturen gearbeitet hat, all das beim Spazierengehen zu Papier gebracht. „Dabei ist Horst Janssen mein Vorbild“, erklärt der ausführlich plaudernde Brauer am Esstisch seiner geräumigen Atelierwohnung, „ich lernte ihn privat auf einem Geburtstag meiner Zeichenlehrerin kennen. Janssen lehrte mich, unverkrampft und ohne Angst vor Fehlern in lockerem Fluss zu arbeiten. Das sei das Wichtigste, meinte er.“

„Sprotten, Mutt und Ofenkatze“ ist bereits das dritte Kochbuch, das Brauer dergestalt heiter illustriert hat. Für die beiden ersten, „Huhn in Handschellen“ (2007) und „Große und kleine Fische“ (2011), wurde seine Kunst jeweils mit dem Ersten Preis der weltweit vergebenen „Gourmand World Cookbook Awards“ (Paris) gewürdigt.

Besonders viel bedeutete ihm die erste der renommierten Auszeichnungen. Denn das Buch, längst ein internationaler Bestseller, das unter der Schirmherrschaft der Hamburger Promi-Köchin Christa Mälzer erschienen ist, entstand gemeinsam mit anderen Gefangenen in der Hamburger Justizvollzugsanstalt „Santa Fu“. Dorthin war Brauer für zweieinhalb Jahre nach einer Messerstecherei mit schlimmem Ausgang auf St. Pauli gelangt.

Eine Zeit, die ihn nach seinen Worten in seinem Verständnis menschlicher Zusammenhänge tief geprägt hat – und über die er offen spricht. Doch der Blick des Künstlers, der sich als Jüngling selbst das Kochen beigebracht hat, um den Mädchen zu gefallen, richtet sich eher nach vorn. „Wo ich lebe, brauche ich ein Kunstfest –um meine Bilder zu vermarkten“, sagt Brauer, der mit seiner Lebensgefährtin und Hund Emil vor zwei Jahren in die 40.000-Einwohner-Stadt gezogen ist. Also hat er im vergangenen August mit rund 50 Kollegen, Galeristen, Musikern und Kaufleuten das 1. Buxtehuder Kunstfest auf die Beine gestellt. „Hat eingeschlagen wie eine Bombe, die Stadt war zwei Tage lang voll“, resümiert der so sensible wie kernige Macher.

In den nächsten Jahren sollen laut Buxtehuder Tourismusbüro weitere Ereignisse dieser Art folgen. Zunächst aber sollten sich aufdrängende Fragen nach dem Titel von Brauers neuem Buch geklärt werden. Dass Sprotten kleine Heringe sind, weiß man zwar nicht nur in Kiel. Doch nicht jedem ist „Mutt“ bekannt – ein regionaler Ausdruck für das weibliche Schwein. Die „Ofenkatze“ dagegen kommt in den Rezepten vor – als deftiger Auflauf mit Speck und Birnenkompott, den wohl einst Reisende mit nach Norddeutschland brachten. Und was ist des Künstlers Leibgericht? „Alles mit Suppen und Eintöpfen“, verrät Brauer, der täglich für sich und seine Freundin am Herd steht, schmunzelnd. Aus seinem Buch seien das etwa Fischsuppe und der Steckrübeneintopf, den so ähnlich auch schon seine Großmutter zubereitet hat.

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