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Landestheater in Schleswig : Spoorendonk: „Niemand wurde unter Druck gesetzt“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Heute fällt in Schleswig die Entscheidung über das Landestheater - Kulturministerin Anke Spoorendonk wird nicht dabei sein. Warum das so ist, erklärt sie im Interview.

Frau Spoorendonk, braucht eine Stadt wie Schleswig mit 24 000 Einwohnern ein Theater in der Größenordnung, wie es gerade auf dem Hesterberg geplant wird?

Die Stadt Schleswig braucht auf jeden Fall ein Theater, weil sie Teil des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters und Hauptsitz der Intendanz ist. Über die Größe des Theaters müssen die Stadt und das Landestheater selbst entscheiden, da habe ich mich nie festgelegt.

Festgelegt hat sich dagegen unlängst der Hauptausschuss des Landestheater-Gesellschafters Flensburg, nämlich darauf, dass das Risiko der Finanzierung vom Land oder dem Gesellschafter Schleswig getragen werden soll und nicht von der Theater-GmbH. Hat Sie dieser neue Einwand überrascht?

Das hat mich sogar sehr überrascht, weil ich die Gefahr für die an der GmbH beteiligten Gesellschafter nicht sehe. Das Landestheater ist für einen Teil der Maßnahmen verantwortlich, die Stadt Schleswig für den anderen. Das lässt sich alles gut vertraglich und mit einem Kostenrahmen kontrollieren.

Müsste man nicht die Neubau-Frage zumindest mit einer Theaterkonzeption verbinden, die den Erhalt des Landestheaters für die nächsten 15 bis 20 Jahre sichert?

So ein Zeitrahmen wäre natürlich wünschenswert. Für mich ist aber entscheidend, dass die Stadt Schleswig vertraglich verpflichtet ist, eine Spielstätte vorzuhalten. Ich habe im Rahmen des Theaterkonzepts sichergestellt, dass unsere öffentlichen Theater für die nächsten fünf Jahre Planungssicherheit haben. Das sorgt für Ruhe, um die Theater inhaltlich weiterzuentwickeln. Daraus ist auch die Hesterberg-Idee gewachsen. Dieser Standort kam ins Gespräch, weil der Intendant Peter Grisebach darin eine spannende Alternative sah. So hat alles begonnen.

Können Sie die Debatte um eine mögliche Sanierung des alten Lollfuß-Theaters denn als Schleswigerin nicht auch ein wenig nachvollziehen?

Ich kann das menschlich nachvollziehen. Ich bin in Schleswig groß geworden, auch mit dem Landestheater im Lollfuß. Aber die Probleme dieses Stadtteils lösen wir nicht mit einem Theater. Im Juni 2011 wurde das Theater dort geschlossen, seitdem ist lange nichts passiert. Und dann wurde der Ratsbeschluss vom Mai 2013 zur Geschäftsgrundlage…

Damals stimmte die Ratsversammlung mit 22 Ja-Stimmen für den Hesterberg...

Genau. Damals ist niemand unter Druck gesetzt worden, da hätte man noch alle möglichen Beschlüsse fassen können – aber man hat sich für den Standort entschieden.

Heute werden die Voraussetzungen dieser Entscheidung, vor allem die Statik betreffend, angezweifelt.

Auch dafür habe ich Verständnis, aber das war und ist Sache der Stadt. Es hat ja statische Untersuchungen gegeben. Wenn man auf Nummer sicher hätte gehen wollen, hätte man das früher machen müssen.

Wenn an diesem Donnerstag die Entscheidung gegen den Hesterberg fallen sollte, gibt es dann noch ein Hintertürchen für eine andere Lösung?

Das habe ich nicht in der Hand. Wenn die Stadt sich für den Lollfuß entscheidet, dann hat sie eine Menge Hausaufgaben zu erledigen. Die Finanzierung für den Hesterberg steht, dabei ist Schleswig auf die Solidarität der kommunalen Spitzenverbände und des Landes angewiesen. Aber wir bauen keine Theater, genauso wenig wie wir Rathäuser bauen. Das muss die Stadt selbst entscheiden.

Die Planungen für den Hesterberg würden in jedem Fall im Anschluss an die Rats-Entscheidung beginnen?

Wir würden zeitnah mit den Planungen beginnen.

Was heißt zeitnah?

Das kann ich nicht genauer sagen. Es werden auf jeden Fall keine Monate mehr vergehen.

Werden Sie bei der Schleswiger Ratsversammlung anwesend sein?

Nein, ich habe andere Termine.

Wären Sie gern dabei?

Nein, das ist Thema der Ratsversammlung.

Wollen Sie damit dem Vorwurf, Druck auf die Ratsversammlung auszuüben, aus dem Weg gehen?

Dieser Vorwurf ist abwegig. Der Druck in dieser Sache ist ein reiner Zeitdruck und der hängt mit unserer Verpflichtung gegenüber den Landesmuseen zusammen, zeitnah eine Magazin-Lösung zu finden – und mit den vertraglichen Verpflichtungen der Stadt Schleswig gegenüber dem Landestheater. Aber bestimmt nicht mit mir. Wir haben ja sogar noch einmal finanziell nachgebessert.

Nach der Zusage der zusätzlichen 1,6 Millionen Euro schien der Durchbruch geschafft. Dann kam die erneute Kehrtwende. Geht es noch um das Theater oder vielmehr um Politik?

Ich glaube, dass es hauptsächlich um Politik und um Macht geht. Man möchte offenbar nicht, dass diese Landesregierung ihrer Verantwortung dem Landestheater gegenüber gerecht wird.

Wem werfen Sie diese Verweigerungshaltung konkret vor?

Ich bin tief enttäuscht von der CDU, die nicht in der Lage war, konkrete Vorschläge zu unterbreiten. Es ist offensichtlich einfacher, grundsätzlich gegen alles zu sein.

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erstellt am 27.Feb.2014 | 12:08 Uhr

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