Verkauf von Kunstwerken : Spoorendonk: Kunst des Landes ist unverkäuflich

50  000 Euro wert – aber nicht zu haben: Walter Stöhrers „Ich esse aus meinen Augen“, das sich im Besitz der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein befindet.
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50 000 Euro wert – aber nicht zu haben: Walter Stöhrers „Ich esse aus meinen Augen“, das sich im Besitz der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein befindet.

Die rund 7000 Werke in den Sammlungen der Sparkassenstiftung, der HSH Nordbank und des Bundeslandes sollen in öffentlicher Hand bleiben.

shz.de von
10. Januar 2015, 13:44 Uhr

Kiel | Die Nachricht vom millionenschweren Kunstverkauf der Portigon AG als Nachfolger der WestLB feuert die Debatte an, in der es um die Veräußerungen von Kunst öffentlicher Sammlungen geht. Dass zwei Warhol-Werke im November versteigert wurden, war erst der Anfang – nun sollen im Zuge der Abwicklung der ehemaligen Landesbank Nordrhein-Westfalens rund 400 weitere Arbeiten zu Geld gemacht werden. Der Wert wird von Experten auf 100 bis 150 Millionen Euro geschätzt.

Auch in Schleswig-Holstein verfolgt man die aktuellen Entwicklungen. Die neue Lage ändert aber nichts an der bisherigen Einstellung. Aus dem Kulturministerium sind die gleichen Töne zu hören, wie vor knapp zwei Monaten. Damals, am 13. November 2014, hatte Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) zu dem Verkauf der Warhol-Bilder aus dem nordrhein-westfälischen Landesbesitz gesagt, dass sie eine Veräußerung von Kunstwerken zur Sanierung der öffentlichen Kassen kritisch sehe. Damit teilte sie die Ansicht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters. „In Schleswig-Holstein werden sich die Museen von ihren Beständen nicht trennen, sie gehören zur Identität der Häuser und sind Grundlage für das Interesse der Besucherinnen und Besucher.“ Diese etwa 3000 Kunstwerke befinden sich laut Spoorendonk in den Räumen der Landesverwaltung. „Es ist nicht geplant, sie zu verkaufen.“

Bei der HSH Nordbank gibt es nach Informationen eines Sprechers ebenfalls keine Bestrebungen, Kunst aus der 2500 Werke umfassenden Sammlung zu verkaufen. Die Bilder seien nur für den internen Gebrauch gedacht. „Wir pflegen unsere Sammlung und schätzen sie sehr, aber ihr Wert ist vergleichsweise überschaubar“, sagt der Sprecher. Die Werke unter denen Gemälde von Carl Arp, Otto Heinrich Engel und Hinrich Wrage zu finden sind, hätten einen Wert im niedrigen einstelligen Millionenbereich.

Auch für die Verantwortlichen der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein kommt ein Verkauf von Kunstwerken aus ihrer Sammlung, die 1500 Arbeiten umfasst, nicht in Frage. „Abstrakt habe ich zwar aufgrund der Diskussion um die Verkäufe in Nordrhein-Westfalen schon darüber nachgedacht“, sagt Geschäftsführer Bernd Brandes-Druba, „aber weiter habe ich mich nicht damit beschäftigt.“ Ohnehin sei es schwierig, einen Vergleich zu den Verkäufen in Nordrhein-Westfalen zu ziehen. Das teuerste Gemälde der Sparkassenstiftung-Sammlung ist das Bild „Ich esse aus meinen Augen“ von Walter Stöhrer mit einem geschätzten Wert von 50  000 Euro. Damit lässt sich keine Bank sanieren.

Brandes-Druba berichtet allerdings von Anfragen privater Kunstsammler, die Bilder kaufen wollten. Ein Kunstfreund sei damals an einem Gemälde von Karl Fettweis interessiert gewesen. Die Sparkassenstiftung habe jedoch von einem Verkauf abgesehen: „Schließlich möchten wir als gemeinnützige Institution keinen Kunsthandel betreiben.“ Die Aufgabe der Sparkassenstiftung sei es, Projekte von Künstlern zu fördern.

Hierbei wird deutlich, was einen wichtigen Aspekt der Debatte ausmacht: Es stellt sich die Frage, wie ein Bundesland oder eine Institution seinen Auftrag hinsichtlich der Wahrung des Kulturguts definiert.

Weil dies in Nordrhein-Westfalen nicht klar zu sein scheint, reagiert die deutsche Kunstszene empört auf die aktuelle Entwicklung in Nordrhein-Westfalen.

Besonders harte Kritik an dem Verkauf übt Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates: „Ich bin der festen Überzeugung, dass eine vor allem monetäre Bewertung von Sammlungen all jenen Kräften Vorschub leisten, die die Ökonomisierung aller Lebensbereiche vorantreiben.“

Für Zimmermann sei dies ein Zeichen dafür, dass nach dem Ausverkauf von Stadtwerken und öffentlicher Immobilien jetzt das nächste Sparschwein zum Schaden der Allgemeinheit geschlachtet werden solle.

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