SHMF 2018 : Spitzenkonzert in der Carlshütte eröffnet Bernstein-Hommage

Der amerikanische Dirigent und Komponist Leonard Bernstein wäre am 25. August 100 Jahre alt geworden. /Archiv

Der amerikanische Dirigent und Komponist Leonard Bernstein wäre am 25. August 100 Jahre alt geworden. /Archiv

Sieben Konzerte sind dem legendären US-Komponisten gewidmet. Zum Auftakt spielte unter anderem US-Organost Cameron Carpenter.

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18. August 2018, 17:21 Uhr

Büdelsdorf | Der US-Organist Cameron Carpenter (37) hat am Samstag die musikalische Hommage des Schleswig-Holstein Musik Festivals für Leonard Bernstein (1918-1990) eindrucksvoll eröffnet. Bernstein wäre am 25. August 100 Jahre alt geworden, er war Deutschlands größtem Klassik-Festival seit der Gründung 1986 eng verbunden. Vor Konzertbeginn würdigte Intendant Christian Kuhnt die Verdienste Bernsteins, der „das Festival maßgeblich geprägt hat“.

Unter dem Motto „The Big Bernstein“ sind dem legendären US-Komponisten („West Side Story“) und Dirigenten bis Sonntagabend in Büdelsorf bei Rendsburg sieben hochkarätige Konzerte gewidmet – alle 8000 Tickets waren schon vor Beginn der Konzerte ausverkauft.

Carpenter spielte in dem Industriedenkmal Carlshütte, einer ehemaligen Eisengießerei auf dem Gelände der NordArt-Kunstschau, auf seiner digitalen m&o-Orgel (Marshall & Ogletree) unter anderem Bernsteins 1965 uraufgeführte „Chichester Psalms“. Auch Bernsteins „missa brevis“ und vertonte Psalmen von Charles Ives (1874-1954) sowie ein Werk von Samuel Barber (1910-1981) prägten das sakrale Konzert auf Spitzenniveau. Die alte Industriehalle mit Eisenträgern und unverputztem Mauerwerk geriet atmosphärisch zum Kirchenschiff.

Neben Carpenter ragten insbesondere der international renommierte Countertenor Terry Wey und der Schleswig-Holstein Festival Chor mit 90 Sängern heraus. Das Publikum dankte mit großem Applaus und forderte eine Zugabe ein.

Am frühen Abend stand in der Carlshütte noch ein Konzert mit der Klarinettistin Sabine Meyer auf dem Programm. Und am Abend lud der Trommelvirtuose Martin Grubinger mit dem Percussive Planet Ensemble zu einer „Lenny“-Geburtstagsparty der besonderen Art in die ans NordArt-Gelände angrenzende ACO Thormannhalle ein.

Bernstein hatte vor 31 Jahren das Schleswig-Holstein Festival Orchestra gegründet. Es wird jeden Sommer mit etwa 120 Musikern aus aller Welt stets neu zusammengestellt.

Die Bernstein-Feierlichkeiten gehen nach dem Wochenende am Montag (20.8.) weiter. In der Hamburger Elbphilharmonie spielt der schwedische Jazz-Pianist Nils Landgren „A Tribute to Leonard Bernstein“, Grundlage ist sein 2016 erschienenes gleichnamiges Album.

Festival-Mitbegründer Justus Frantz widmet Bernstein das Festival-Finale. In der Kieler Sparkassenarena dirigiert er am 25. August, also auf den Tag genau am 100. Geburtstag Bernsteins, Beethovens Neunte Sinfonie. Frantz wird die Philharmonie der Nationen leiten, dazu kommen Solisten und der Festival Chor. Der Spielort ist beziehungsreich: In der damaligen Ostseehalle hatte „Lenny“ 1986 Haydns „Schöpfung“ als Eröffnungskonzert dirigiert und die internationale Musikwelt auf das neue Festival im Norden aufmerksam gemacht. Bernstein dirigierte Beethovens Neunte wenige Wochen nach dem Mauerfall 1989 in Ost- und auch in West-Berlin - damals ließ er den Chor in der „Ode an die Freude“ statt „Freude“ das Wort „Freiheit“ singen.

Das diesjährige Festival liegt auf Erfolgskurs. Bereits zur Halbzeit hatte sich Intendant Kuhnt mehr als zufrieden gezeigt. Von den rund 190.000 verfügbaren Plätzen waren bereits 165 000 belegt – eine Auslastung von rund 87 Prozent. Damit fiel die Halbzeitbilanz noch einmal besser aus als die des Vorjahres. Damals lag die Auslastung bei 84 Prozent. Von 190.000 verfügbaren Karten waren zur Halbzeit 160 000 verkauft, 114 von 193 Konzerten waren ausverkauft. In diesem Jahr waren es 124 von 202 Veranstaltungen. 

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