Schleswig-Holstein Musik Festival : Sol Gabetta verzaubert Kieler Publikum

Sol Gabetta  Foto: lukas
Sol Gabetta Foto: lukas

Die argentinische Sonne geht über Kiel auf: Die 30-jährige Cellistin Sol Gabetta glänzt beim SHMF mit geistreich-virtuoser Leichtigkeit.

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14. Juli 2011, 09:33 Uhr

Kiel | "Sonne" heißt auf Deutsch der Vorname der in Argentinien geborenen Sol Gabetta. Anscheinend ein günstiges Vorzeichen für die Karriere dieser 30-jährigen Cellistin, die schon mit zahlreichen Spitzenorchestern aufgetreten ist. Im ersten Kieler Konzert des diesjährigen Musik-Festivals glänzte "Sonne" mit einer ebenso virtuosen wie durchgeistigten Interpretation des Cello-Konzerts von Robert Schumann. Mit stupender Technik bewältigte sie ihren schwierigen Solopart, immer spürbar an die Gesamtheit der Partitur gebunden. Schumann gestattet es dem Cello nur selten, seinen größten Trumpf, die sonoren Kantilenen, auszuspielen. Von Sol Gabetta wurde man dafür durch eine wie selbstverständliche Geläufigkeit mit feinsten dynamischen Nuancen entschädigt. Außerdem gingen von ihr in allen drei ineinander übergehenden Sätzen entscheidende Impulse für den Orchesterpart aus, den das Kammerorchester Basel unter Giovanni Antonini mit aller romantischen Klangfülle beisteuerte.
Dem Orchester gelang es, in drei Werken wesentliche Aspekte Beethovenscher Musik aufzuzeigen. So ist seine 1. Sinfonie, in der er unmittelbar an Haydn und Mozart anknüpft, noch von ungebrochenem Optimismus geprägt. Aus der Not eines Kammerorchesters, mit zu wenig Streichern gegen die Phalanx der Bläser aufzu kommen, versuchte Antonini, hier ohne Stab dirigierend, eine Tugend zu machen durch kammermusikalische Transparenz. Die dann zeitweise doch unter einem überzogenen Tempo litt.
Festlichkeit in D-Dur - trotz energischem Vorwärtsdrängen
Das bestimmte noch mehr seine oder des Orchesters Deutung der 2. Sinfonie. Ihr ist schon durch die Grundtonart D-Dur eine gewisse Festlichkeit mitgegeben, für die Beethoven ein besonderes Organ hatte. Im schnittigen Durchlauf wurde da manches Detail einem energischen Vorwärtsdrängen geopfert, nicht nur in dem zu einem Moderato beschleunigten langsamen Satz. Im ausverkauften Kieler Schloß kam das aber ausgezeichnet an.
In der zugegebenen Coriolan-Ouvertüre hatte dann glücklicherweise auch noch der über die Tradition weit hinauswachsende Beethoven das Wort, mit spannungsgeladener Tragik und Gefühlstiefe. Das besiegelte endgültig den großen Erfolg des Kieler Festival-Starts.
(shz)

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