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Kultur

17. Dezember 2017 | 11:47 Uhr

Singen mit Gauck

vom

Bundespräsident besuchte Benefizkonzert des SHMF-Ensembles in Lübeck

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Lübeck | Benefiz bedeutet Wohltat. Das Benefizkonzert des Bundespräsidenten, im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) in der Lübecker Musik- und Kongresshalle zu erleben, hat sich als Segen in mehrfacher Hinsicht erwiesen. Zuerst natürlich für die Kinder im Land, deren musikalische Bildung mit den Spenden unterstützt werden soll; dann für das Publikum, das mit Verdis selten in Gesamtheit gespieltem "Quattro pezzi sacri" und Rossinis "Stabat Mater" berührende Werke und hervorragende Künstler erlebte. Und auch Rolf Beck erntete in seinem letzten Sommer als Intendant pralle Früchte: Unter seiner Leitung offenbarte sich, was Chorgesang bedeuten kann.

Tatsächlich ist unter seinem "Erfinder" Beck seit 2002 ein Chor-Diamant nach dem anderen geschürft worden. Dass der Chor 2013 dem Lübecker Publikum Gänsehäute in Serie bescherte, lag gewiss auch an den Werken. Große Opern sind den Köpfen der Italiener Verdi und Rossini entsprungen, das Benefizkonzert indessen präsentierte geistliche Kompositionen: kontemplativ, aber beileibe nicht weniger italienisch als "Aida" oder "Der Barbier von Sevilla".

Die Nationalhymne, im Beisein des Bundespräsidenten obligatorische Ehrerbietung, hatte bereits den Mund wässerig gemacht auf das, was da kommen sollte. Vorgetragen von Chor und Festival Orchester geriet die zu einem berührenden (und das Publikum zum Mitsingen animierenden) Kunstwerk.

Kultur, Musik, vor allem Mitsingen standen im Zentrum der Ansprachen. "Kultur fällt nicht vom Himmel. Musik- und Orchesterkultur hängt davon ab, ob es gelingt, künftige Generationen für diese Kultur zu begeistern", mahnte Bundespräsident Joachim Gauck an und den Eltern mag es dabei in den Ohren gerauscht haben. Allein, wenn es um Musiklehrer geht, sind nur das Saarland und Bremen noch schäbiger ausgestattet als Schleswig-Holstein. Da tut Benefiz nicht nur gut, sondern not.

Kultur mache stark, weil sie Gemeinschaft schaffe, sagte Torsten Albig als mitveranstaltender Ministerpräsident. "Wir wollen unseren Kindern viel Kultur mit auf den Weg geben." Unterstützt werden aus dem Benefiz-Topf die Projekte unter der Federführung des Landesmusikrates und des Landesverbandes der Musikschulen "Singen mit Kindern", "Musikalische Grundausbildung" und "Flensburger Singezeit" sowie das Schulprojekt "Klasse! Wir singen".

Die Reihe "Benefizkonzert des Bundespräsidenten" wurde in der Amtszeit von Richard von Weizsäcker geboren und seit 1988 zunächst jährlich in Berlin ausgerichtet. Horst Köhler brachte die Konzerte zweimal im Jahr in die Bundesländer. Dass nach dem Juni-Konzert im thüringischen Weimar dieses zweite des Jahres im Rahmen des SHMF im Norden zu hören sei, nannte Albig "eine große Auszeichnung und eine große Ehre für unser Festival". Das "unser" war dabei deutlich unterstrichen. Und da mögen nach Jahren heftiger Auseinandersetzungen mit Albigs Amtsvorgänger um Geld und Unterstützung vor allem Beck die Ohren geklingelt haben.

Dem Publikum blieb der - beinahe - ungetrübte Genuss, den Simona Saturová (Sopran), Kismara Pessatti (Mezzosopran), Antonio Poli (Tenor) und Burak Bilgili (Bass) in Rossinis "Stabat mater" verstärkten. Der schlanke Tenor wurde vom Festival Orchester zwar hier und da überspielt, in der Fülle hörbarer Schönheit geriet das aber ins Hintertreffen.

Am Ende erhob sich das Publikum zu lang anhaltendem Applaus und Joachim Gauck enterte die Bühne, um sich persönlich bei den Künstlern zu bedanken.

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