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Singen auf dem Trampolin

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In acht Meisterkursen des Schleswig-Holstein Musik Festivals erhalten Nachwuchstalente Tipps von Stars der Klassik

Lübeck | "Glitter and be gay, thats the part I play!" Es ist heller Vormittag, eigentlich keine gute Zeit für Singstimmen. Aber die Kraft, mit der die Arie aus Leonard Bernsteins "Candide" den Kammermusiksaal erobert, lässt selbst Gerd Uecker aufmerken. "Eine Meisterleistung so früh am Morgen", bescheinigt er der schwedischen Sopranistin Karin Fjellander, "bravo!" Die 29-Jährige aus Göteborg ist eine von sieben Sängerinnen und Sängern, die sich in diesem SHMF-Sommer in seinem Meisterkurs eingefunden haben.

Dieses Jahr sind es acht Meisterkurse an der Zahl und die Dozenten wie gewohnt hochkarätig: Iveta Apkalna (Orgel), Elisabeth Leonskaja (Klavier), Wolfram Rieger (Liedgestaltung), Evelyn Glennie (Percussion), Margreet Honig (Gesang), David Geringas (Violoncello), Donald Weilerstein (Violine und Kammermusik) und eben Gerd Uecker, Musiker und Musikpädagoge. Die Aufnahmeregeln sind streng. Zu Uecker kommt man in der Regel nur mit abgeschlossenem Gesangsstudium und einer Liste mit zehn fertig studierten Opernarien in Originalsprache, aus der vier oder fünf Arien für die Kursarbeit ausgewählt werden.

Bühnenerfahrung haben sie alle schon gesammelt, Karin Fjellander unter anderem an der Oper Göteborg. Aber, sagt sie, "Schweden ist ein kleines Opernland." Also streckt sie ihre Fühler europaweit aus. Ein Meisterkurs bei Uecker ist dabei eine gute Visitenkarte. Die Schwedin eröffnet den Gesangsreigen an diesem Morgen.

Der Münchner Uecker hört sich die Bernstein-Arie konzentriert und hocherfreut an. Dann macht er sich mit einem pädagogischem Fingerspitzengefühl an die Arbeit, dass man allen Schulmusiklehrern ins Hirn hexen möchte: Natürlich hat Uecker verbesserungswürdige Momente entdeckt, aber er beginnt den Unterricht stets mit Lob. Erst dann ruft er der Schwedin in Erinnerung, dass die Arie eine leichte Geschichte und keine dramatische erzählt, weist er auf die Stütze hin, die der Schwedin "manchmal ein bisschen" verloren geht. "Stell dir vor, du singst, während du auf einem Trampolin springst", rät er. Karin Fjellander versteht sofort.

"Wir arbeiten hier in Bereichen, in die viele Sängerinnen gar nicht vordringen", sagt Uecker. Tatsächlich sind die Stimmen wunderbar: ausdrucksstark und eigen allesamt. Die Arbeit macht dem Opernsänger Freude. Und den Sängerinnen, die sich ja noch einmal in eine öffentliche Lernsituation begeben? "Es ist wunderbar, mit ihm zu arbeiten", sagt Patricia Osei Kofi.

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erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

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