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Kieler Tatort : Sibel Kekili: Ermittlerin und Fantasy-Prostituierte

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„Eine nackte Deutsche verzückt das prüde Amerika“, schrieb der Focus über Sibel Kekilli und ihre Rolle in der Fantasy-Serie „Game of Thrones“. Auf shz.de spricht sie über Hollywood-Ambitionen, ihre Rollen in „Tatort“ und „Game of Thrones“ sowie gute Vorsätze für 2014.

shz.de von
erstellt am 29.Dez.2013 | 10:39 Uhr

Sie kam aus dem Nichts ins grelle Rampenlicht: Als Fatih Akins „Gegen die Wand“ 2004 bei den 54. Internationalen Filmfestspielen in Berlin mit dem Goldenen Bären und später beim Deutschen Filmpreis gleich in fünf Kategorien ausgezeichnet wurde, war Hauptdarstellerin Sibel Kekilli quasi über Nacht ein Star. Nach einer wechselhaften Karriere ist sie mittlerweile nicht nur fest in der erfolgreichen US-Serie „Game of Thrones“ mit ihrer Rolle der Prostituierten Shae verankert, sondern seit drei Jahren auch im Kieler „Tatort“, der an diesem Sonntag sein Zehnjähriges feiert. In ihrer Wahlheimatstadt Hamburg haben wir sie getroffen.

Frau Kekilli, in wenigen Tagen beginnt das neue Jahr – haben Sie Pläne oder gar gute Vorsätze?
Pläne eigentlich nicht, da ich glaube, dass alles sowieso anders kommt, als man plant. Aber wenn Sie mich nach guten Vorsätzen fragen, nehmen wir doch die Wünsche gleich mit dazu: Ich würde gerne auch weiterhin gute Filme drehen und eigene Ideen vorantreiben. Was die guten Vorsätze angeht, das übliche: mehr Sport machen, endlich eine neue Sprache lernen, meine Fotokamera beherrschen und alles das, was meistens sowieso im Laufe des Jahres auf der Strecke bleibt (lacht).

An welches Ereignis von 2013 werden Sie sich denn in 20 Jahren noch zurückerinnern?
Die Premiere von „Game of Thrones” in Los Angeles war etwas ganz Besonderes für mich. Es war ein so unbeschreibliches Erlebnis und es war so schön, mit dem gesamten Team diesen Abend zu erleben und zu verbringen. Von Los Angeles aus habe ich einen Roadtrip nach Las Vegas und San Francisco gemacht. Daran werde ich mich in 20 Jahren sicher noch gerne zurückerinnern.

Wie wäre es mit der Schlagzeile „Von Heilbronn nach Hollywood“? Das wär doch was…
Okay, aber den wichtigsten Schritt, meine Wahlheimat Hamburg müssten Sie schon auch unterbringen (lacht). So schön es in Los Angeles war und ist, hier in Hamburg fühle ich mich wirklich zu Hause. Diese Stadt gibt mir das Gefühl, willkommen zu sein und mich wohlfühlen zu können. Ich liebe die Zurückhaltung der Menschen, die Verbindlichkeit und die Nähe zum Meer.

Mit der Serie „Game of Thrones“ sind Sie einem weltweiten Publikum bekannt geworden. Was hat Ihnen das persönlich bedeutet?
Ich merke, dass mir der Erfolg der Serie erst jetzt allmählich bewusst wird. Es ist total besonders und macht unglaublichen Spaß, in einer so großen internationalen Produktion mitzuwirken. Es ist total schön, bei jedem neuen Staffelbeginn alle Kollegen wiederzusehen. Es ist dann immer ein bisschen wie bei einem Klassentreffen.

Als Sie vor drei Jahren den Deutschen Filmpreis erhielten, kamen Sie auf die Bühne und sagten „Ich, weiblich, Schauspielerin, will arbeiten, ich will drehen”. Hat sich dadurch etwas verändert?
Witzigerweise erinnern sich Kollegen und Journalisten immer noch an diese Situation. Ich habe viel Zuspruch von Schauspielkollegen, besonders von Kolleginnen bekommen, die genauso fühlen. Eine direkte Folge davon war, dass Matthias Schweighöfer mich zum Casting für „What a Man” eingeladen hat. Und glücklicherweise habe ich die Rolle auch bekommen. Als Frau hat man es schwerer. Das empfinde ich auf jeden Fall so. In den meisten Filmen sind männliche Schauspieler in den Hauptrollen zu sehen. Die Frauen sind oft nur schönes Beiwerk. Ich finde, dass die Branche leider immer noch sehr männerlastig ist.

Drehen Sie demnächst noch mehr in Hollywood, müssen wir im „Tatort“ dann wieder auf Sie verzichten?
(lacht). Das ist ja nett gesagt. Ich möchte schon noch ein bisschen beim „Tatort“ bleiben – wenn man mich lässt. Was Hollywood angeht, so ist momentan nichts geplant. Aber sollte es ein interessantes Angebot geben, würde ich mich natürlich darüber freuen. Es kommt, wie es kommt.

Sie haben Axel Milberg zum zehnjährigen Borowski-Jubiläum mit den Worten gratuliert: „Auf die nächsten zehn Jahre, aber jetzt nur noch mit mir.“ Das klingt nach langfristiger Planung.
Wir haben uns ja gerade erst ein bisschen warmgelaufen. Also ein paar Runden sollten Borowski und Brandt schon noch drehen. Finden Sie nicht?

Schon, aber Ihre Rolle könnte auch noch größer werden – Borowski wirft einen mächtigen Schatten.
Borowski und Brandt sind Partner, die sehr unterschiedlich ermitteln, sich aber auf Augenhöhe begegnen und die Eigenheiten des jeweils anderen schätzen und respektieren, auch wenn es dadurch oft zu Querelen kommt.

Im „Tatort“ sind Sie die große Computer- und Internetexpertin, da gibt es viel „Gehacktes von Frau Brandt“. Sind Sie privat auch so fit am Rechner?
Überhaupt nicht. Im wahren Leben habe ich eher zwei linke Hände. Für die Rolle von Sarah Brandt werde ich immer wieder von einem Computer-Crack geschult, aber leider bleibt das immer nur in meinem Kurzzeitgedächtnis hängen.

Haben Sie beim Schreiben von Mails eigentlich Angst, dass da jemand mitliest, den Sie nicht kennen?
Wenn man anfängt, darüber nachzudenken, ob jemand, den man nicht kennt, Mails mitliest, dann geht das so weit, dass man sich darüber Gedanken macht, ob man am besten noch nicht mal mehr telefonieren sollte.

Sind Sie bei Facebook und Twitter?
Bei Twitter nicht, aber ich habe einen Facebook-Account eingerichtet, weil es unzählige Fake-Accounts mit meinem Namen gab.

Mehmet Kurtulus hat einige ganz starke „Tatorte“ gedreht.
Ja, das finde ich auch!

Aber beim Publikum ist er offenbar durchgefallen und hatte die miesesten Quoten von allen. Hat ein „Tatort“-Kommissar mit Migrationshintergrund Akzeptanzprobleme beim deutschen Publikum?
Ich denke eher, dass zu der Zeit die Geschichten, die da erzählt wurden, vielleicht zu experimentell und anders waren, als man das von den „Tatorten“ gewöhnt war.

Warum heißen Sie im „Tatort“ Sarah Brandt und haben keinen türkischen Namen? War das Ihre Idee?
Nein, das war von Anfang an von Redaktionsseite aus klar und wurde erst gar nicht thematisiert. Ich finde es allerdings merkwürdig, dass ich so oft danach gefragt werde.

Ihr neuer „Tatort“ wirkt auf mich ein bisschen artifiziell und sehr unwahrscheinlich.
Finde ich gar nicht. Aber abgesehen davon drehen wir ja keine Dokumentationen, sondern erzählen Geschichten. Wie nah die am wahren Leben dran sind, unterscheidet sich natürlich von Fall zu Fall. Das ist ja auch das Tolle an unserem Beruf, dass man in andere Welten eintauchen kann. Das gilt für Schauspieler genauso wie für die Zuschauer.

Wird Sarah Brandt wegen ihrer Epilepsie niemals zur Waffe greifen?
Lassen Sie sich überraschen.

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