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Christian Kuhnt : SHMF: Der neue Chef ist nun Lübecker

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der neue SHMF-Intendant ist in Lübeck angekommen. Christian Kuhnt hat aus der neuen Aufgabe eine Familiensache gemacht.

Lübeck | Er ist da und er fühlt sich als Lübecker richtig wohl: Christian Kuhnt, als Nachfolger von Rolf Beck nun neuer Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF), hat seine Arbeit im Palais Rantzau, dem Festival-Sitz, aufgenommen. Für sein Gefühl gehöre der Intendant dieses Festivals nach Schleswig-Holstein, sagt er und hat eine Familiensache aus der neuen Aufgabe gemacht. Frau und Tochter sind mit ihm an die Trave gekommen.

Das SHMF, soviel ist klar, bekommt mit ihm ein neues Gesicht. Länderschwerpunkte, die Chorakademie so wie sie war, wird es nicht mehr geben. Tabula rasa? „In gewisser Weise sind diese Schwerpunkte zum Korsett geworden, die uns Freiheiten nehmen.“ Genau die wolle man sich nun zurückholen, sagt er. Auf drei Säulen soll das erste Festival 2014 stehen. Die eine ist der Fokus auf den in Hamburg geborenen Komponisten und Programmmacher Felix Mendelsohn Bartholdy – einer von hier gewissermaßen. Regionale Bezüge will Kuhnt nutzen, wo immer es geht, auch und vor allem in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen. Gespräche sind angeschoben. Auch die Aufführung von Mendelsohn Bartholdys „Elias“ vor wenigen Wochen in Lübeck hat er sehr wohl wahrgenommen. 2014 soll dieses Chorwerk das Festival schmücken. An Synergie ist längst gedacht.

Die zweite Säule ist die Idee, dass Künstlerpersönlichkeiten nicht in einem oder zwei, sondern in 18 oder 20 Konzerten dem Publikum so nahe wie möglich kommen. Überhaupt will er näher an die Menschen heran, Schwellen abbauen, die es fraglos zwischen der Bevölkerungsmehrheit und so genannter ernster Musik gibt. „Da sind wir in der Pflicht“, sagt er und meint vor allem sich selbst. Und weil es kaum eine SHMF-typischere Art des Schwellenabbaus als die Musikfeste auf dem Lande gibt, soll deren Zahl wieder steigen. In die Fläche, heißt das Motto; und nur ein Konzert in Flensburg als drittgrößter Stadt im Lande, soll nicht wieder vorkommen. Nähe soll schließlich, das ist die dritte Säule, eine sogenannte Off-Bühne schaffen, auf der landauf, landab die künstlich geschaffene Grenze zwischen sogenannter Ernster und Unterhaltungsmusik fällt.

Bei so viel Neuem will sich der Gedanke an Tabula rasa dann doch nicht verscheuchen lassen, zumal sich Kuhnt beim Festival 2013 erst gar nicht gezeigt hat. „Nein“, sagt er, „es war lange zwischen Beck und mir abgesprochen, dass 2014 mein Festival sein wird. Da sollte 2013 das seine sein. Das ist eine Frage von Respekt vor seiner Leistung. Wie hätten Fragen nach der Zukunft da gewirkt?“

Stattdessen war Kuhnt bei Freunden in Kanada. Aus eigener Entscheidung. Genau wie die, nach Lübeck zu ziehen – zurück zu ziehen. An der Trave hat er schon mal zehn Jahre gelebt.

Jetzt genießt er erneut die Übersichtlichkeit einer „deutlich jüngeren Stadt“, fährt von seiner Wohnung an der Königstraße mit dem Rad zur Arbeit oder geht zu Fuß. „In Lübeck ist alles dicht bei“, zitiert er Thomas Mann. Und wie findet das seine zehn Jahre alte Tochter, die in Hamburg doch sicher Freunde zurückgelassen hat? „Toll“, sagt der Papa. „Freundinnen hat sie hier auch schnell gefunden.“

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erstellt am 13.Okt.2013 | 14:48 Uhr

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