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Ausstellung zum Ersten Weltkrieg : Selbstzeugnisse vom „goldenen Krieg“ in Schleswig

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Durch Nachlässe von Schleswig-Holsteinern hat das Landesarchiv die Stimmung vor hundert Jahren rekonstruiert. Die privaten Perspektiven und Gefühle zeigen die Reaktionen auf den Krieg.

Schleswig | Mit erstmals öffentlich gezeigten Feldpostbriefen, Fotos und Orden zeichnet eine Ausstellung im Landesarchiv in Schleswig ein Stimmungsbild von Schleswig-Holsteinern im Ersten Weltkrieg. Unter dem Titel  „Kanonendonner hören wir schon. Nachlässe von Schleswig-Holsteinern aus dem Ersten Weltkrieg“ sollen die Reaktionen der Menschen im Norden auf den Krieg und gesellschaftliche Umbrüche gezeigt werden, sagte Archivdirektor Rainer Hering am Mittwoch. Darunter sind auch Schreiben des späteren Kieler Ministerpräsidenten Theodor Steltzer (CDU) oder von Otto Graf zu Rantzau, dessen vorfreudiges Zitat der Ausstellung den Namen gab.

Die Ausstellung ist von Freitag an bis zum 10. Juli 2015 zu sehen.„Selbstzeugnisse sind eine ganz faszinierende Quelle“, sagte Kuratorin Julia Liedtke. „Man bekommt ganz intime Einblicke in die Lebenswelten. Man lernt die Leute auch kennen dabei.“ Dennoch müsse man auch zwischen den Zeilen lesen. Denn vieles sei Inszenierung, dazu kamen die Zensurbestimmungen, die Kritik am Krieg und genaue militärische Angaben, etwa zu Truppenverlegungen, verbaten. Zudem widerfuhr den Menschen „eine Brutalität in neuer Dimension“, ergänzte Hering, die oft nicht in Worte zu fassen gewesen sei. Auch das Männlichkeitsideal habe eine Rolle dabei gespielt, das Grauen des Krieges auszublenden. Neben der offiziellen habe auch die „Zensur im Kopf“ stattgefunden.

Dennoch lässt sich aus den Schriftstücken ein Wandel von anfänglicher Kriegsbegeisterung zu leiser Kritik nachvollziehen, wie Liedtke berichtete. Und so liest man dann vom 18 Jahre alten Flensburger Heinrich Mester: „Wenn ich an den Krieg denke, schlägt mein Herz höher und höher“ - 1918 starb der Postgehilfe den „Heldentod“. Eine Frau dagegen schreibt: „Im Herzen bin ich tief, tief traurig“ und „mir hat der Krieg seelisch zu viel getan“. Mancher haderte mit der Hygiene: „Die Stiefel bleiben jetzt ständig dran“, klagt ein Soldat.

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erstellt am 08.Okt.2014 | 17:17 Uhr

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