E-Books : Schwere Bücher und leichte Kost

Das E-Book ist dagegen unverdächtig leicht, handlich und passt in jede Tasche. Schriftsteller Ingo Schulze hält trotzdem am Buch 1.0 fest.

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12. März 2011, 09:58 Uhr

Ingo Schulze fürchtet sich nicht vor der Zukunft. "Das Papierbuch ist eine so unglaublich gute Erfindung, dass man sich darüber keine Gedanken machen muss", hat der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller vor ein paar Tagen gesagt. Dabei war er möglicherweise leicht euphorisiert, denn als er dies sagte, hatte man ihm gerade einen weiteren Preis versprochen, den des Mainzer Stadtschreibers - dotiert immerhin mit 12.500 Euro. Schulze ist ein Schriftsteller der alten Schule, entschlossen verteidigt er die auf Papier gedruckten Daten, das gute alte Buch 1.0, gegen das digitale E-Book. Von dem Preisgeld wird er eine Weile gut leben können.
Für den Preis der Buchmesse Leipzig, der in der kommenden Woche vergeben wird, ist Schulze nicht nominiert. Dort haben sich die sieben Mitglieder der Jury ebenfalls Gedanken über das Papierbuch gemacht und anschließend eine kleine Revolution in Gang gebracht. Sie entschieden sich dafür, die 480 Titel, die für den Buchmesse-Preis eingereicht wurden, auf dem E-Book zu konsumieren. Dass ist zwar weniger sinnlich, aber ziemlich praktisch. 480 Bücher in der gedruckten Form nehmen nicht nur viel Platz weg, schlecht gestapelt werden sie sogar zu einer physischen Bedrohung. Ingo Schulzes 800-Seiten-Wälzer "Neue Leben" etwa ist so schwer, dass er auch als Waffe taugen würde.
480 Bücher wiegen ein paar Hundert Gramm
Das E-Book ist dagegen unverdächtig leicht, handlich und passt in jede Tasche. 480 Bücher auf einem Gerät, das nur ein paar Hundert Gramm wiegt - so wird das schwere Jurorenleben ganz leicht und ungefährlich.
Ingo Schulze hat auch noch gesagt, dass das Internet für die Verlage eine große Konkurrenz sei. Das stimmt nur bedingt. Denn es bietet auch der weniger begabten Autorenkonkurrenz eine Plattform. Amanda Hocking etwa, 26-jährige Altenpflegerin aus den USA, hat jahrelang einen Verlag für ihre simplen Liebesromane gesucht. Vergeblich. Also stellte sie die Werke ins Netz, wo sie jeder gegen einen geringen Preis runterladen kann. Ihre Geschichten werden vielleicht nie auf Papier erscheinen und einen Literaturpreis wird sie gewiss auch nicht gewinnen. Das kann ihr aber ziemlich egal sein - ihre Romane wurden mittlerweile so oft runtergeladen, dass die Frau längst Millionärin ist. Auch sie muss sich nicht vor der Zukunft fürchten, von dem Geld wird sie für immer gut leben können.
(mas, shz)

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