„Tatortreiniger“: Neue Folgen : Schotty bleibt bei seinen Leichen

Der „Tatortreiniger“ ist ein Kammerspiel auf hohem Niveau mit einem grandiosen Bjarne Mädel in der Hauptrolle.
Der „Tatortreiniger“ ist ein Kammerspiel auf hohem Niveau mit einem grandiosen Bjarne Mädel in der Hauptrolle.

Bei einer neuen Folge der NDR-Serie „Der Tatortreiniger“ kommt Dittsche als Stargast.

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03. Dezember 2014, 19:00 Uhr

Hamburg | Schotty ist kein Frauenversteher, das hat der „Tatortreiniger“ schon oft bewiesen. Wenn sein Blick Fassunglosigkeit verrät und das typische „Wa?“ aus Richtung Schnurrbart folgt, dann steht Heiko Schotte nicht selten einer Frau gegenüber. Fritzi Haberlandt zum Beispiel, die zum Auftakt der neuen Doppelfolge, die im NDR-Fernsehen gezeigt wurde, seine ehemalige große Liebe Wiebke spielt. Vor 15 Jahren, als Schottys Handy „fast nicht größer als ein Ziegelstein war“, ging die Sache zu Ende, das Wiedersehen in „Schweine“ hatte nicht nur einige überraschende Wendungen, sondern vor allem sehr viele sehr gute Dialoge.

Der „Tatortreiniger“ ist ein Kammerspiel auf hohem Niveau mit einem grandiosen Bjarne Mädel in der Hauptrolle, man könnte das Bild weglassen und einfach nur zuhören, wenn nicht die Schauspieler, die sich als Gäste in Schottys Welt begeben, so gut wären. Neben Fritzi Haberlandt spielen in den insgesamt acht neuen Folgen, die im Dezember laufen, unter anderem Matthias Brandt, Charly Hübner und Olli Dittrich mit, der als Dittsche einen kurzen Auftritt in der zweiten Folge „Carpe Diem“ hat. Die Folge spielt im Amt; einem farblosen Amt voller farbloser Mitarbeiter, in dem ein toter Beamter 14 Tage unentdeckt in seinem Büro liegt, obwohl sich seine Kollegen über den Gestank wundern. „Wo kommen wir hin, wenn sich jeder einmischt, nur weil hier mal was stinkt“, sagt der graue Herr aus dem Nachbarzimmer, und so geht es weiter. Der Tote erscheint als Geist, spricht mit Schotty über all die verpassten Chancen des Lebens, während um sie herum der ganz normale Amtswahnsinn seinen Lauf nimmt  – bis hin zur erforderlichen  Erlaubnis zum Abtransport der Beamten-Leiche.

Deren Geist hat Schotty beinahe so weit – der „Tatortreiniger“ will sein Leben ändern, studieren, Merle heiraten (nicht Wiebke), vielleicht ein Haus bauen. „Ich hab mein eigenes verkacktes Leben“, ruft Schotty voller Verzweiflung in Richtung des redefreudigen Toten – und schafft ihn doch nicht, den einen Anruf bei der Frau, die er liebt. So bleibt Schotty der „Tatortreiniger“, was nicht nur die Fans, sondern auch den NDR freuen wird. Nach einigen Unstimmigkeiten zwischen dem Sender  und  den beiden Protagonisten – Regisseur Arne Feldhusen, der aus Rendsburg stammt, und seinem Darsteller-Freund Bjarne Mädel –,  bei denen es auch um mangelnde Wertschätzung des Senders für das Format ging, haben sich beide Seiten wieder zusammengerauft. Schotty bleibt bei seinen Leichen – und das ist gut so.

Tatortreiniger: „Schweine“, 3. Dezember, 22 Uhr und „Carpe Diem“, 22.30 Uhr im NDR
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