Ausstellung : Schloss Gottorf feiert das Nydamboot

Nun widmet Schloss Gottorf dem Schiff eine eigene Ausstellung. Auch kleine Modelle gibt es zu sehen. Foto: dpa
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Nun widmet Schloss Gottorf dem Schiff eine eigene Ausstellung. Auch kleine Modelle gibt es zu sehen. Foto: dpa

Es war eine Sensation, als ein Däne vor 150 Jahren im Moor bei Flensburg ein 1700 Jahre altes Germanenboot entdeckte. Dänemark und Deutschland stritten jahrelang darum.

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12. April 2013, 09:56 Uhr

Schleswig | Es ist das älteste erhaltene hochseetüchtige Ruderboot der Germanen: Das Nydamboot, das vor genau 150 Jahren in einem Moor zwischen Flensburg und Sonderburg entdeckt wurde. An den herausragenden Fund des dänischen Archäologen Conrad Engelhardt im August 1863 erinnert das Archäologische Landesmusem auf Schloss Gottorf von Sonntag an mit der Sonderausstellung "Das Nydamboot - Nydambåden. Versenkt - entdeckt - erforscht". Die Schau in Schleswig, wo sich das etwa 1700 Jahre alte Boot seit 1947 befindet, bietet den Besuchern erstmals einen Blick hinein in das 23 Meter lange Exponat.

"Das Boot ist jetzt umgehbar, man bekommt von den Dimensionen einen viel größeren Eindruck. Es gab auch noch nie eine eigene Ausstellung zu dem Boot", sagt Nydam-Forscher Andreas Rau vom Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) in Schleswig. Stets sei das Kriegsschiff in eine Ausstellung zu Opferplätzen der Eisenzeit eingebettet gewesen.

Zankapfel zwischen Deutschland und Dänemark

Entdecker Engelhardt, der sich zudem mit damals völlig neuen Konservierungsmethoden hervortat, wird in der Sonderausstellung besonders hervorgehoben. So wird er durch eine "Peppers Ghost" genannte Technik von einem Schauspieler verkörpert in die Moorlandschaft projiziert, in der er das Boot fand, kurz bevor der deutsch-dänische Krieg ausbrach. Von da an war es ein Zankapfel zwischen den beiden verfeindeten Staaten. Es kam von Flensburg nach Kiel und schließlich nach Schleswig. Dänemark erhielt es trotz vieler Versuche, zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg, nicht zurück.

Heute arbeiten Deutschland und Dänemark zusammen: Das Gottorfer Landesmuseum hat die Schau mit dem ZBSA und in Kooperation mit der Achäologie-Abteilung des Museums Sonderjylland in Haderslev und der Nydam Bootsgilde entwickelt. Sie ist komplett zweisprachig. Rau erwartet viele Besucher aus dem Nachbarland, aber auch aus Schweden und Norwegen: "In keinem deutschen oder skandinavischen Museum gibt es so ein Objekt." Selbst Briten hätten Interesse, da ihre Vorfahren - Angeln und Sachsen - wohl solche Boote für die Auswanderung nutzten.

Ein Nachbau des acht Tonnen schweren Eichenholzbootes im Maßstab 1:1 soll im Sommer auf der Schlei getestet werden. Erstmals wird die zwei Jahre laufende Ausstellung die weitere Grabungsgeschichte zeigen: Von preußischen Soldaten, die statt an den Düppeler Schanzen zu kämpfen lieber im Moor gruben, über die 1980er und 1990er Jahre bis zu vorerst letzten Grabungen 2011.

Öffnungszeiten und Preise
Geöffnet ab 14. April, Montag bis Freitag von 10.00 bis 17.00 Uhr, Samstag und Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr. Eintritt (im Ticket für den Besuch der Landesmuseen auf Schloss Gottorf integriert) neun Euro, ermäßigt 5,50 Euro.

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