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Debatte um den Hesterberg : Schleswig baut kein neues Theater

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„Ich nehme die Entscheidung der Schleswiger Ratsversammlung zur Kenntnis.“ Trocken kommentiert Kulturministerin Anke Spoorendonk die Abstimmung in Schleswig gegen ein neues Theater auf dem Hesterberg. Dort soll nun die Stiftung Landesmuseen einziehen.

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2014 | 21:50 Uhr

Jubel auf der einen Seite, Schockstarre auf der anderen. Die Entscheidung zum Theater-Neubau ist gefallen – und sie war so knapp wie von allen erwartet. Um 21.25 Uhr war alles vorbei. CDU, Grüne, FDP und beide Wählergemeinschaften stimmten geschlossen gegen das Vorhaben. Auch Heinrich Bömer, der CDU-Ratsherr, der sich noch am Montag im Kulturausschuss der Stimme enthalten hatte.

Vorher hatte die Ratsversammlung vier Stunden lang debattiert und wie erwartet schlugen die Emotionen hoch. Dutzende Mitarbeiter des Landestheaters, Schauspieler und Musiker sangen vor Beginn der Beratungen „Freude, schöner Götterfunken“. In der Einwohnerfragestunde flehte Erika Krüger, die Betriebsratsvorsitzende des Theaters, die Ratsmitglieder an: „Es geht auch um unsere Arbeitsplätze.“ Nur eine Entscheidung für den Hesterberg sichere die Zukunft des Theaters. Vertreter der Wirtschafts-Initiative „Pro Lollfuß“ meldeten sich ebenfalls zu Wort und sahen das völlig anders.

In der anschließenden Debatte zeigten sich erneut die vielen verschiedenen Ebenen des Streits ums Theater. CDU-Fraktionschef Holger Ley brauchte fast eine Stunde, um seine Ansichten darzustellen. Er warb dafür, die erst wenige Tage alten Untersuchungen des Diplom-Ingenieurs Günter Harenberg aufzugreifen, nach denen das alte Theater mit wenig Aufwand zu retten sei. Seine Fraktion sei nicht bereit, ein großes finanzielles Risiko einzugehen: „Ich sage lieber Nein, auch auf die Gefahr hin, dass wir dann kein Theater mehr haben.“ Aus seiner Sicht ist die Grenze von fünf Millionen Euro städtischer Anteil für die Baukosten klar überschritten. Zu Leys Aussagen zu den Kosten – unter anderem rechnete er vor, die jährliche Grundstückspacht von 25.000 Euro würde sich mit Zins und Zinseszins in 80 Jahren auf 85 Millionen Euro summieren – sagte SSW-Fraktionschef Otmar Petersen, es seien „Unwahrheiten, Halbwahrheiten und dummerhafte Bemerkungen“.

Bürgermeister Arthur Christiansen appellierte eindringlich, dem Neubau zuzustimmen und warnte von den Folgen eines Neins. „Es ist nicht die optimale Entscheidung, der Lollfuß wäre besser. Aber es gibt keine Alternative.“ Bei einem Nein würden sofort die Planungen für ein Landestheater ohne Schleswig beginnen. Der zugesagte Zuschuss der Gemeinschaft aller Kreise, Städte und Gemeinden im Land über 6,3 Millionen Euro wäre hinfällig. Selbst wenn es gelingen sollte, das einsturzgefährdete alte Theater für acht bis neun Millionen Euro zu sanieren, sei das Landestheater in der Zwischenzeit längst abgezogen. In letzter Minute versuchte der Bürgermeister es mit einem Kompromiss-Vorschlag.

Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) reagierte kühl: „Ich nehme die Entscheidung der Schleswiger Ratsversammlung zur Kenntnis. Die Stadt hat sich entschieden und unser Angebot, ihr das Grundstück auf dem Hesterberg als Theaterstandort zu überlassen, nicht angenommen. Das respektiere ich selbstverständlich.“ Das Land werde nun die alternativen Planungen für den Hesterberg wieder aufnehmen, kündigte die Ministerin an. Dort sollen Magazinräume für die Stiftung Landesmuseen zur Verfügung gestellt werden. Spoorendonk appellierte an die örtlichen Entscheidungsträger, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. „Wenn die Stadt Schleswig wieder an uns herantreten sollte, stehen wir für Gespräche zur Verfügung. Inwieweit eine Hilfe des Landes dann noch realisierbar sein wird, lässt sich heute nicht seriös beantworten.“

Begonnen hatte die Debatte um das Theater im Juni 2011. Wegen Einsturzgefahr war das Stadttheater von 1892 gesperrt worden, das Slesvighus wurde zum vorübergehenden Ersatztheater. Im Januar 2013 machte Spoorendonk den Vorschlag, die freiwerdenden Räumlichkeiten des Volkskunde-Museums auf dem Hesterberg zu nutzen, mit einem An- oder Neubau. Der Vorschlag fand zunächst Gefallen: Im Mai sprach sich die Ratsversammlung der Stadt mit deutlicher Mehrheit für einen Neubau auf dem Hesterberg aus. Im Dezember dann stellte sich die Lage ganz anders dar: Der Stadtrat lehnte den Neubau wegen Finanzierungsbedenken ab. Und nun erneut.

Foto: Screenshot
Foto: Screenshot

Im sozialen Netzwerk Facebook ist der Vorhang schon gefallen: „13:13 Wir sind dann mal weg“ postete das Theater noch in der Nacht. Nach der Veranstaltung änderte das SH Landestheater und Sinfonieorchester Profil- und Titelbild passend zur trüben Stimmung.

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