Tourneebeginn : Santiano wieder auf großer Fahrt

Vor der nächsten Probe: v.l. Timm Hinrichsen, Timon Fenner, Axel Stosberg, Björn Both, Pete Sage, Dirk Schlag, Arne Wiegand.
Vor der nächsten Probe: v.l. Timm Hinrichsen, Timon Fenner, Axel Stosberg, Björn Both, Pete Sage, Dirk Schlag, Arne Wiegand.

Santiano stechen mit ihrem neuen Album in See. Mehr als 60 Konzerte werden die Nordlichter in den kommenden Monaten spielen.

shz.de von
20. November 2013, 08:30 Uhr

Pahlen | Es ist nicht der Nebel der benachbarten Eider-Niederung, der durch die leere Halle wabert und die Bühne verschleiert. Einzelne geschäftige Gestalten sind schemenhaft erkennbar. Die Eisnebelmaschine hat ebenso wie die Hauptpersonen Mittagspause, sie hat aber vormittags schon ganze Arbeit geleistet. Nur noch drei Tage Probe: Dann geht Santiano auf einen knüppelharten Törn mit knapp 70 Live-Terminen zwischen Eider und Isar.

„Alles ist größer, schöner, neuer“ bei der morgen in Pahlen beginnenden Tour, sagt Front- und Bassmann Björn Both mit einem breiten Lächeln unter der grauen Wollmütze. Pahlen ist für ihn ein Heimspiel, er wohnt nur ein paar Kilometer weiter westlich bei Heide. Doch auch für den Rest der Band ist es nicht weit bis in heimische Gefilde. „Das ist ganz angenehm, denn wenn es erstmal los geht, sind wir für lange Zeit weg von zu Hause“, sagt Sänger Axel Stosberg.

Die Seemannsrocker aus dem Norden Schleswig-Holsteins surfen auch 2013 auf einer beispiellosen Erfolgswelle. Als das zweite Album „Mit den Gezeiten“ im Mai am Strand von Glücksburg vorgestellt wurde, konnte niemand wissen, ob die eingängige Mischung aus knackigem Folkrock und derb-romantischer Seemannslyrik eine Eintagsfliege oder von Dauer sein würde. „Das zweite Album stieg auf Platz 1 in die Charts ein, das hat das erste nicht geschafft“, sagt Stosberg. In seinem Sog kletterte auch die erste Scheibe wieder in die Top Ten, so dass Santiano zeitweise mit beiden Alben ganz oben vertreten war.

Nach ersten Proben in Flensburg und Hamweddel, einem Dorf am Kanal, hat der 30-köpfige Tour-Tross vor wenigen Tagen die Eiderlandhalle geentert und dort die aufwendige Deko aufgebaut. Die sieht richtig schön schiffig aus, man ahnt eine Brücke, etliche Meter rostige Reling ziehen sich über die Bühne, es gibt Bullaugen und Stahlplatten. Drei Tage vor dem Kommando „Leinen los!“ wird vor allem die Musik geprobt, das Showlicht kommt später dazu. „Wir wissen, dass wir unseren Fans etwas bieten müssen – auch fürs Auge und für die Ohren sowieso“, verspricht Both. Mit einem zweiten Album an Bord schöpft die Band aus einem viel größeren Repertoire als bei der ersten Tour, und der Opener „Gott muss ein Seemann sein“ deutet auf eine leichte Kurskorrektur Richtung Rock hin.

Auch wenn Santiano für alle Beteiligten mittlerweile richtig harte Arbeit ist – das Staunen über den ungeahnten Erfolg ist immer noch da. „Es ist alles soviel mehr als wir damals erwartet haben!“, erinnert sich Björn Both. Die Tickets für die neue Tour verkaufen sich hervorragend, „obwohl wir im Radio kaum zu hören sind“. Warum nicht? „Das darfst du uns nicht fragen!“, kontert Both, hat dann aber doch eine Art Erklärung: „Für die 2er Sender, also NDR2, WDR2, sind wir immer noch zu speziell, also nicht Mainstream genug. Obwohl man uns das manchmal vorwirft.“ Axel Stosberg findet das nicht so schlimm: „Man überhört sich nicht so schnell an uns.“

Der harte Kern der Band wird vor und während der Tour durch drei Leute verstärkt, dafür fehlt nach wie vor der Flensburger Andreas Fahnert aus gesundheitlichen Gründen. Both, Stosberg, Geiger Pete Sage und Timm Hinrichsen haben sich den Gitarristen Dirk Schlag, den Drummer Timon Fenner und den Keyboarder Arne Wiegand an Bord geholt; dazu kommt die Sängerin Synje Norland. Auf der Bühne wachsen sie zu einer großen Santiano-Crew zusammen: „Ganz klar, da gibt es keine Unterschiede“, sagt Stosberg.

Auf shz.de/santiano verfolgen Sie das Geschehen ab Donnerstag live im exklusiven Tour-Tagebuch.

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