Löwenzahn : Sammler und Bastler: Peter Lustig macht Schrott zu Kunst

Hauchen Gerümpel Leben und Licht mit Solarzellen ein: Galerist Uwe Schelten (links) und Peter Lustig. Foto: Momsen
Hauchen Gerümpel Leben und Licht mit Solarzellen ein: Galerist Uwe Schelten (links) und Peter Lustig. Foto: Momsen

Der frühere Erzähler in der Sendung "Löwenzahn" hat viele Freunde und erschafft stets neue: Merlots heißen die Figuren. Ab Sonnabend stellt Peter Lustig sie und andere aus.

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25. Juni 2009, 11:00 Uhr

Nordfriesland | Die Werkstatt von Peter Lustig: Die Augen wollen nicht auf einem Fleck verharren, sie wollen weiterschauen, so viel aufnehmen wie möglich. Der Mann in Latzhose - die textilen Raumwunder trägt er immer noch, wie schön - tüftelt für sein Leben gern, auch nach seinem Ausstieg aus der Kindersendung "Löwenzahn". Obwohl das schon vier Jahre her ist, hat Peter Lustigs Neugierde nicht nachgelassen. Genau wie seine Popularität: Generationen ließen sich von ihm anschaulich die Welt erklären, tauchten mit ab in die Natur, Wissenschaft und Technik.
"Löwenzahn" - Kult eben, der bald wieder kommt
Fragt man heute Kinder und Erwachsene nach seinem Namen, ist die Sendung "Löwenzahn" nicht weit. Kult eben, der ab Juli dieses Jahres wieder in den Wohnzimmern Einzug hält. Neben neu produzierten Sendungen mit seinem Nachfolger strahlt der Kinderkanal (KiKa) im Wechsel Wiederholungen aus vergangenen Zeiten aus.
Zurück in die Werkstatt, wo "Schrott, Bauteile und alles andere, was sich im Laufe der Jahre angesammelt hat" herumliegen. Peter Lustig (71) - das ist kein Künstlername, er heißt wirklich so - muss alles aufbewahren, kann nichts wegschmeißen, wie er erzählt. Manchmal geht er in Bastel-Läden oder zum Puppendoktor. "Dort kaufe ich mir die Augen für meine Kreaturen, sie brauchen schließlich ein Gesicht", meint er, schaut über die Ränder seiner runden Brille und geht in einen anderen Raum.
Skurrile Fragen
Da stehen sie, Merlot für Merlot und andere skurrile Figuren, fertig aufgereiht und herausgeputzt für eine Ausstellung. Seit zwei, drei Jahren baut er die Merlots. Auf die Frage, was das ist, antwortet er schmunzelnd: "Freunde fürs Leben, jeder sollte einen haben." Der kleine "Freund" besteht aus einer Solarzelle, drahtigen Beinen und Fühlern, Augen und einer Nase. Schon bei geringem Lichteinfall fängt die Nase an, rot zu blinken.
Peter Lustig, der gern ein Gläschen Rotwein trinkt, hat den Namen "Merlot" vom Wein übernommen. "Der kann auch die Nase röten", erläutert er. Dass der Wahl-Nordfriese wirklich nichts wegschmeißen kann, zeigen andere "seltsame Tiere und Kreaturen", größtenteils mit Solarzellen ausgerüstet. Eine leere Maggiflasche wurde zum Mobilé umfunktioniert, eine leere Tomatenmarkdose dient als Körper für einen Vogel. Es gibt auch kleine Schweine aus Korken, ein ausrangierter Korkenzieher wird durch Augen und Brauen zum stillen Beobachter - jedes Stück ein Unikat, an dem es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. "Ich bin nicht nur praktischer, sondern auch unsinniger Bastler", erzählt Lustig, der sich nach wie vor selbst nicht so wichtig nimmt. Die "Merlots" und andere technisch-phantastische Kunstwerke gibt es vom 27. Juni bis zum 8. August erstmalig in einer Ausstellung der "Galerie Bräist", Markt 30, in Bredstedt zu sehen.
"Irgendwann möchte ich werden wie Pu der Bär"
Galerist Uwe Schelten (68) ist seit 50 Jahren eng mit Peter Lustig befreundet. Auch "Klaus-Dieter", die sprechende Ukulele mit den Glühbirnenaugen, "Hermann", der Hirsch, und einige der einzigartigen Wand-Radios. Allesamt signiert mit "PU", dem Künstlernamen des Bastlers in Anlehnung an sein Idol, Pu, der Bär. "Irgendwann möchte ich auch so werden, wie er", sagt Peter Lustig, der zur Ausstellungseröffnung am 27. Juni, 11 Uhr, Autogrammkarten signiert.
Was liegt sonst noch bei ihm an? "Eine Biographie, obwohl ich wirklich nicht weiß, was es über mich zu erzählen gibt, und ein Buch zum Thema Krisen im Alltag, die nach Löwenzahn-Art gemeistert werden können."

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