Deutsches Haus Flensburg : Russische Klänge und ein fliegender Taktstock

Das Zusammenspiel des Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchesters unter Leitung von Mihkel Kütson mit dem Pianisten Alexey Botvinov in Flensburg - ein Idealfall.

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11. Februar 2011, 08:02 Uhr

Flensburg | "Wenn ich überhaupt einen Plan hatte, wollte ich wohl nur Klang", schrieb Sergej Rachmaninow über sein 1909 uraufgeführtes Klavierkonzert Nr. 3. Tatsächlich entfalten Solist und Orchester im Idealfall aus dem schlichten Eingangsthema eine ungeheure Klangpracht und beglückende Vielfalt an Melodien - changierend zwischen grüblerischer Versunkenheit, sehnsuchtsvoller Wehmut, temperamentvoller Schwelgerei. Es ist die versunkene Welt eines adligen Romantikers, die fasziniert durch nahezu makellose Schönheit.

Der Idealfall war das Zusammenspiel des Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchesters unter Leitung von Mihkel Kütson mit dem Pianisten Alexey Botvinov in Flensburgs Deutschem Haus. Der Ukrainer kennt Rachmaninow aus dem Effeff und vermag sein Instrument in schönster Weise singen zu lassen.

Auch der zweite Teil des Abends mit Tschaikowskis monumentaler "Manfred"-Sinfonie überzeugt mit großartigem Klang. Die hochdramatische Tondichtung ist ein musikalischer Kosmos, der außerhalb der Zeit zu stehen scheint: Der Kopfsatz lässt Tschaikowskis "Schwanensee" erahnen und bekommt Wagnersche Gewichtigkeit, die muntere Holzbläserei im zweiten klingt nach Mahler und endet - mutig formuliert - mit einer Minimal-Musik-Wendung der Streicher. Im dritten Satz könnten die Beatles ihren Hit "Norvegian Wood" abgeschrieben haben. Und der vierte ist mit wildem Streicherfugato, bombastischem Orgel-Einsatz und choralartigen Blechbläserwendungen eine gewaltige Reminiszenz an die Zeit der großen Barockmeister. Dass im Eifer des Gefechts Kütsons Taktstock im hohen Bogen durchs Orchester flog, beweist nebenbei, wie temperamentvoll man hier zu Werke ging. Einfach grandios!

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