Mediengrummel : Ruhe im Land

Wo sie steht und geht, bearbeitet die Kanzlerin ihr Handy. Wie viele andere. Nur in Schleswig-Holstein gibt's noch Grenzen, meint unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
25. November 2013, 06:00 Uhr

Seit wir wissen, dass die amerikanischen Geheimdienst-Brüder von der NSA hierzulande nicht nur die E-Mails und Telefonate von Familie Mustermann ausschnüffeln, sondern auch die von Frau Merkel, wissen wir auch, dass es eine Unmenge an Fotos und Filmaufnahmen gibt, die das symbiotische Verhältnis der Kanzlerin und ihrem Handy belegen. In der Bebilderung der Affäre können die Redaktionen jedenfalls aus dem Vollen schöpfen: Merkel mit Handy auf der Regierungsbank, auf den Fluren, auf Veranstaltungen, sitzend, gehend, stehend. Womöglich auch bald liegend. Wie andere zur Zigarettenschachtel greifen, braucht die Kanzlerin offenbar ihr Smartphone.

Aber damit ist sie nicht allein. Die chronischen Handy-Fummler sind inzwischen in den Fernsehstudios angekommen. Wie jüngst bei „Wetten dass…?“. Während sich dort der Gastgeber mühte, die Einschlafquote zu minimieren, bearbeiteten zwei erwachsene Gäste ungeniert ihr Twitter-Spielzeug, „Die sollen froh sein, dass ich da überhaupt hinkomme“, meinte einer der Spätpubertierenden hinterher. Er könnte mit seinem Auftritt ganz neue Maßstäbe fürs Fernsehen gesetzt haben. Keiner darf sich wundern, wenn demnächst auch die Stammplauderer bei Plasberg, Lanz & Co ihren Smartphone-Exhibitionismus vor den Kameras zelebrieren.

Einen Lichtblick im großen Twitter- und Sabbelgeschäft bietet Schleswig-Holstein. Hier haben die Handys durchschnittlich jeden Tag 25 bis 30 Minuten keinen Empfang, länger als sonst wo. Keine Klingeltöne, keine Tweets, keine Likes, keine Apps… einfach eine halbe Stunde Ruhe im Land. Mit diesem Standortvorteil sollten wir ruhig ein bisschen für uns werben.

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