Kampnagelfabrik : Romeo und Julia - topaktuell

Feridun Zaimoglu. Foto: dpa
Feridun Zaimoglu. Foto: dpa

Die Kieler Feridun Zaimoglu und Günter Senkel haben Shakespeares "Romeo und Julia" für eine Inszenierung in der Hamburger Kampnagelfabrik aktualisiert.

shz.de von
10. Juni 2010, 08:12 Uhr

Die Sprache wurde ein wenig aufpoliert, das Milieu verändert, aber letztlich dreht sich doch alles um die ganz große Liebe.
Herr Zaimoglu, was unterscheidet Romeo und Julia aus Wilhelmsburg von Shakes peares Figuren?
Gewiss hat sich die Zeit geändert, die äußeren Umstände. Was aber den Kern des Stückes angeht, die Liebe auf den ersten Blick, da sehe ich keine Unterschiede. Was ist der große Vorwurf, der Romeo und Julia gemacht wird? Sie wollen die Liebe neu erfinden. Dafür werden sie belächelt, verhöhnt, bekämpft. Und doch muss man erkennen, dass ihre Liebe wahrhaftig und richtig ist.
Wie haben Sie das den Schülern erklärt, die in Ihrer Aufführung mitspielen?
Ich brauchte keine große Übersetzungsarbeit leisten. Die herkunftsfremden Deutschen haben das Stück durchaus verstanden, es fiel ihnen nicht schwer, es auf ihre Verhältnisse zu übertragen. Obschon sie keine Ladys und Gentleman sind, wissen sie, was es heißt, um seine Liebe kämpfen zu müssen. Ihnen ist klar, was die Feindschaft zweier Familien bedeutet.
Machen eigentlich nur türkischstämmige Jugendliche bei diesem Projekt mit?
Nein. Es gibt auch bosnisch- oder albanischstämmige Schüler. Einer ist laut Pass Franzose, aber in Deutschland aufgewachsen. Alle sind mit den Verhältnisse in diesem Land, mit den Feinheiten der Sprache vertraut. Sie haben gelernt: Man muss wortmächtig sein, um anderen zu imponieren.
Wollen Sie mit Ihrer "Romeo und Julia unplugged"-Inszenierung das Selbstwertgefühl Ihrer Schützlinge stärken?
Das ist nicht nötig. Diese selbstbewussten jungen Frauen und Männer brauchen keinen Motivationstrainer. Wir agieren wirklich auf Augenhöhe. Sie spüren, dass ich sie nicht als Statisten ausnutze, um später sagen zu können: "Hey, ich arbeite mit Jugendlichen."
Erkennen Sie sich in Ihren Akteuren wieder oder waren Sie als Teenager völlig anders?
Wenn mich eine Frau ansprach, lief ich rot an. Ich war nicht so klug und gewitzt wie diese Jugendlichen. Meine Erfahrung mit ihnen widerlegt übrigens die These, Schüler würden immer blöder werden. Auch in meinen Literaturkursen begegne ich meist wachen jungen Menschen, die man nicht unterschätzen sollte.
"Romeo und Julia unplugged" wird heute, 10. Juni, Fr., 11. Juni, und So., 13. Juni, jeweils 19.30 Uhr, in der Hamburger Kampnagelfabrik gezeigt, Karten: 040/27094949

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen