„Was immer auch kommt“ : Roger Cicero und sein Trennungs-Album

Roger Cicero live in The Box Hamburg
Das Lachen hat er nicht verlernt: Viel Emotionalität und Aufbruchstimmung hat Roger Cicero in sein neues Album „Was immer auch kommt“ gesteckt. Am Montag stellte er erste Songs daraus live in Hamburg vor.

Am Freitag erscheint das fünfte Album des Hamburger Swing-Stars. Trotz eines harten Themas bläst er darauf keine Trübsal.

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25. März 2014, 16:12 Uhr

Hamburg | „Ich verspreche dir, das Licht bleibt an. Und ich halt' dich bis du schlafen kannst. Und später schleich' ich leise raus. Und ich hoff' so sehr du wachst nicht auf. Ich start' noch 'ne CD für dich. Nur bitte stell' die Frage nicht: Wohin ich jetzt noch geh'“. Beim letzten Song auf dem neuen Album von Roger Cicero spürt wohl jeder Vater einen Klos im Hals. Wie bringt er seinem kleinen Sohn bei, dass Mama und er kein Paar mehr sind? Getragen von sanfter Piano-Begleitung sorgt Cicero für Gänsehaut. Das Album „Was immer auch kommt“ erscheint am Freitag und ist ein Symbol der Trennung. Cicero verarbeitet das Ende der Beziehung zur Mutter seines fünfjährigen Sohnes. Und er hat sich vom Swing und dem bekannten Big-Band-Sound getrennt. „Ich gehe neue Wege“, sagt Cicero selbst – auch wenn ihm diese klischeehafte Aussage fast peinlich ist.

Und doch gelingt es ihm mit einigen der 13 Songs wieder, seine Zuhörer zum Schmunzeln und Tänzeln zu bewegen. Denn die typischen Jazz-Instrumente sind nach wie vor vertreten. Und in Selbstmitleid zerfließt auch der neue Cicero nicht, er sieht die Chancen von Neuanfängen. „Es gibt keine schlechten Erfahrungen, sondern nur schlechte Arten, damit umzugehen“, sagt der Musiker. Denn: „Gerade Themen, die schwierig erscheinen, sind es, die einen stärken.“ Und so berichtet er in „So sieht man sich wieder“ vom ersten Treffen der verflossenen Liebe und ihrer neuen Familie: „So sieht man sich wieder, so lernt man sich kennen. Hier expandiert 'ne Familie, bei dem Versuch sich zu trennen. Ich bin Roger und wer bist du? Und wer gehört alles dazu? Das ist mein erstes Flickenteppich-Rendezvous.“

Wer seine fünf Alben verfolgt, kann Roger Cicero durch ein wohl typisches Männerleben begleiten: Single-Dasein, Anekdoten aus dem Miteinander der Geschlechter, Feste Beziehung, Vaterfreuden und jetzt eben auch Trennung. Gezögert, seine Fans daran teilhaben zu lassen, hat der Entertainer nicht. „Ich habe ja schon auf meinem ersten Album ‚Männersachen‘ von Trennungen gesungen, die ich selbst durchgemacht habe. Nur damals hatte die Öffentlichkeit kein Bild von diesen Frauen.“ Schwierig sei ihm tatsächlich nur der letzte Song „Frag nicht wohin“ gefallen und er habe lange überlegt, ob er veröffentlicht werden soll.

Cicero hat auch dieses Album mit vielen Musikerkollegen gemeinsam erarbeitet. „Ich brauche das Feedback, auch bei Konzerten. Dafür mache ich Musik“, sagt er. Voller Vorfreude blickt er deshalb auf seine neue Tour, die am 3. Mai in Gronau startet. Anfang Oktober tritt er in Hamburg, Kiel und Lübeck auf – frei nach dem Motto: „Was immer auch kommt, es kommt mir entgegen.“

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