zur Navigation springen

Richard@ WagnerWatch

vom

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Von Martin Schulte |

Am Mittwoch wird gefeiert, an diesem Tag hat der umstrittenste deutsche Komponist Geburtstag: Richard Wagner, der das Land seit ehedem in Pro und Contra spaltet, wäre am 22. Mai 200 Jahre alt geworden. Da knallen auf dem Grünen Hügel in Bayreuth die Korken, da tanzen die Walküren in Walhall auf ihren Schilden - nur der deutsche Wald steht still und schweiget, seit es keine Drachen mehr gibt.

Drachen sind ja bei weitem nicht die einzigen fantastischen Wesen in Wagners großem Märchenwald, weshalb ihm neben allerlei Realitätsferne oft auch vorgeworfen wird, dass sein Mythen-Mix mitunter doch arg der Logik entbehrt.

Realitätsnähe wird heute bekanntlich auch bei der Fiktion gnadenlos eingefordert, seit der vergangenen Woche gibt es deshalb den Twitter-Account "@TatortWatch", der die größten Brüche in der Logik und die schlimmsten Rechtsverletzungen der Polizei in den Sonntagskrimis der ARD dokumentieren soll.

Eine bemerkenswerte Initiative, aber in jedem Fall zu spät für Wagner, der zudem immer nur in der Realität mit der Exekutive zu tun hatte, wegen seiner Schulden war er ständig auf der Flucht. Seinem Ruhm hat das nicht geschadet: 200 Kerzen auf dem Kuchen und trotzdem noch nicht vergessen - das muss man erst mal schaffen. Obwohl seit 130 Jahren tot, ist Wagner unsterblich.

So hat er es übrigens selbst prophezeit, bescheiden war der Mann nie. Aber er hat Recht behalten, aus Wagners Werk bedienen sich auch heute noch alle Theater dieser Welt und im Jubiläumsjahr durchdringt der Wagner-Wahn nahezu alle Lebensbereiche. Sogar im Tatort ist der Komponist vor kurzem aufgetaucht und es hätte dem alten Wagner - Gott hab ihn selig - bestimmt gefallen, dass sich ausgerechnet ein Schöpfer von Trivialmusik, der Schlagerfuzzi Roland Kaiser nämlich, in dieser Folge als bekennender Wagnerianer geoutet hat. Das klingt zwar komisch, ist aber gar nicht unwahrscheinlich. Man muss aus naheliegenden Gründen davon ausgehen, dass nicht einmal Roland Kaiser seine eigene Musik erträgt. Wer diese These für unrealistisch hält, sollte das an Kaiser@WagnerWatch melden.

Allen anderen sei an dieser Stelle versichert, was sie ohnehin schon ahnten: Der Wagner-Tatort aus Münster war bei den Einschaltquoten der erfolgreichste aller Zeiten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen