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Hamburger Museum : Recycling in einer schönen Form

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In zwei Design-Ausstellungen im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe stehen Nachhaltigkeit und Gesellschaftskritik im Fokus.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2013 | 07:49 Uhr

Hamburg | Provokation oder praktisches Sitzmöbel? Ein umfunktionierter Müllcontainer hat jetzt den mit 4000 Euro dotierten HFBK-Designpreis der Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst gewonnen. Designstudent Enzo Mittelberger von der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK) hat den antrazithfarbenen Container von der Stadtreinigung erworben und mit Säge und Heißluftfön kreativ bearbeitet. Herausgekommen ist ein bequemer Zweisitzer, der sowohl im Indoor- als auch im Outdoorbereich platziert werden kann. Die Jury überzeugte auch die formale Ästhetik, die an den legendären Sessel von Stiletto-Design aus dem Jahre 1983 erinnert, der damals aus einem Supermarkt-Einkaufswagen geformt war. Stand in den 80er Jahren noch die Konsumkritik im Vordergrund, geht es Enzo Mittelberger jetzt um die Idee des Recycling in unserer industriell geprägten Wegwerfgesellschaft.

Das Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) präsentiert jetzt die Nominierten für den HFBK-Designpreis. Sonderpreise erhielten Magnus Gburek für seine Arbeit „NYX“, in der er die Trauerkultur anhand von eigens hergestellten und gesammelten Objekten hinterfragt, und das Studio Experimentelles Design für sein soziales Engagement in Belgrad. Sie richteten einer Roma-Familie, die ihr Zuhause aufgrund eines Brandes verloren hatte, in nur drei Tagen eine Wohnung mit funktionalen Möbeln auf engstem Raum neu ein.

Bereits zum vierten Mal richtet das MKG die Nachwuchs-Schau aus. Claudia Banz, Leiterin der Sammlung Kunst und Design am MKG, erläutert: „Für uns ist es ein ganz wichtiges Thema, junges Design in unseren musealen Hallen zu zeigen, denn Museen sind ja immer etwas schwerfällig, und die Hochschule bringt frischen Wind.“ So wirken die Ideen der jungen Produktdesigner in der Tat frisch, spielerisch und ungewöhnlich: Dysfunktionale Blumenvasen, die auf die Ausbeutung der Arbeitskräfte und den Einsatz von Chemikalien bei der Schnittblumenherstellung verweisen, ein altmodischer Sessel in 80er Jahre-Optik, der die Schnelllebigkeit im Konsumverhalten thematisiert, oder Vogelhäuschen für die an Nistplätzen arme Hafencity. Viele der gezeigten Designideen sind gesellschaftskritisch oder bieten Lösungen für brennende Problemstellungen.

Ähnliche Lösungen, wenn auch eher am Markt orientiert, sind in der Ausstellung Bundespreis Ecodesign zu sehen. Der Bundespreis Ecodesign wird vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Design Zentrum Berlin ausgelobt. Gefördert werden Designideen für ökologisch nachhaltige Produkte. Ausgezeichnet wurden ein recycelbarer Ofen, eine Ringkonstruktion für Papierkörbe im Stadtraum, die es Pfandflaschensammlern erspart, direkt in den Abfall greifen zu müssen, aber auch das Konzept des Berliner „Veränderungsateliers“. Hier kann man alte Kleidung aufpeppen lassen, anstatt sie in die Altkleidersammlung zu geben.

Nachhaltigkeit, Gesellschaftskritik, Wiederverwertbarkeit – das sind die Trends im Nachwuchsdesign. Auch wenn einige Entwürfe noch ziemlich verspielt daherkommen – eine Marktreife beziehungsweise eine Existenz im Nischenraum ist für viele der hier präsentierten Ideen denkbar.

>Ausstellung: HFBK-Designpreis der Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, bis 5. Januar 2014. Di-So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr. Heiligabend und Silvester geschlossen. 1. und 2. Weihnachtstag und Neujahr 12-18 Uhr.

>Ausstellung: Bundespreis Ecodesign, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, bis 26. Januar 2014. Di-So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr. Heiligabend und Silvester geschlossen. 1. und 2. Weihnachtstag und Neujahr 12-18 Uhr.


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