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Deutschrocker aus SH : Rattles, Shanty und Lyrik: Achim Reichel wird 70

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Er hat Hits wie „Kuddel Daddel Du“ oder „Aloha Heja He“ gelandet, sich aber musikalisch nie in eine Schublade packen lassen: Achim Reichel, das Urgestein der Hamburger Musikszene, wird 70.

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2014 | 13:35 Uhr

Hamburg | Vom Seefahrersohn zum Storyteller: Als Achim Reichel 1960 eine Kellnerlehre im Restaurant an den Hamburger Landungsbrücken begann, wollte er noch „auf Vaters Spuren als Schiffssteward“ die Weltmeere bereisen, schreibt der Musiker auf seiner Internetseite „Achim Reichel - Musiker & Storyteller“ (Geschichtenerzähler). Doch schon im Jahr darauf folgten erste Auftritte mit den Rattles. Seit mehr als fünf Jahrzehnten steht das Urgestein der Hamburger Musikszene auf der Bühne. 70 Jahre alt wird der gebürtige Wentorfer (Kreis Herzogtum Lauenburg) am Dienstag. Im Moment habe er wenig Zeit, heißt es aus seinem Büro - „auch Feierlichkeiten anlässlich eines runden Geburtstages müssen dabei auf der Strecke bleiben“. Reichel stecke in den Aufnahmen für ein Album.

Zuletzt war „Solo mit Euch - mein Leben, meine Musik, gesungen und erzählt“ (2010) erschienen. Seit 2009 trat er mit dem Programm auf, „bei dem es nicht nur darum ging, zwanzig Lieder abzuspielen und Tschüss zu sagen, sondern auch darum, zu erzählen, wie es war in einem Leben aus der Wundertüte, mit dem Fahrstuhl nach oben, der jederzeit auch wieder abwärts rauschen konnte“, wie er es beschreibt.

Der in Wentorf bei Hamburg geborene Sohn einer Seefahrerfamilie kann auf eine vielfältig geprägte Karriere im Showgeschäft zurückblicken. Als Rock'n'Roll-Musiker ging er die ersten Schritte, mit der Band The Rattles spielte er im 1962 eröffneten „Star-Club“ auf der Reeperbahn. Den dortigen Bandwettbewerb gewannen die Rattles und wurden als erste deutsche Gruppe in dem legendären Club auf St. Pauli engagiert. 1962 standen dort auch die Beatles für drei Gastspiele auf der Bühne und legten zu dieser Zeit den Grundstein für ihre weltweite Karriere.

Vier Jahre später spielten die Rattles als Vorband auf der einzigen Deutschlandtour der Beatles, zuvor waren sie bereits mit Kollegen wie Little Richard, Joe Cocker oder den Rolling Stones unterwegs. Ach, die alten Geschichten, denke er immer, wenn ihm Fragen zu jener Zeit damals gestellt werden, erzählte Reichel mal in einem Interview. Auf derselben Bühne zu stehen wie die Beatles, müsse doch irre gewesen sein, heiße es dann stets. „Aber das hat man damals alles gar nicht so realisiert“, sagte er, „das wird einem erst später klar“.

Mitte der 70er Jahre veröffentlichte Reichel - 1969/1970 letzter „Star-Club“-Pächter - Alben mit verrockten Seemannsliedern. Für „Regenballade“ (1978) vertonte er die Texte von Dichtern wie Goethe und Fontane. In den 80er und 90er Jahren folgten zahlreiche weitere Veröffentlichungen, Hits wie „Der Spieler“ sowie das Erfolgsalbum „Melancholie und Sturmflut“ mit Liedern wie „Aloha Heja He“ und „Kuddel Daddel Du“. Der Shanty-Erneuerer überraschte seine Fans mit einer Vielfalt musikalischer Konzepte. 2002 widmete er sich auf dem Album „Wilder Wassermann - Sagen und Mythen“ Balladenklassikern, 2006 auf „Volxlieder“ altem Liedgut, 2008 ging er für „Michels Gold“ erneut auf Schatzsuche bei großen Literaten.

Eigentlich hatte er es ruhiger angehen lassen wollen und legte jüngst auch mal ein Jahr Bühnenabstinenz ein, trotzdem verlängerte der Musiker immer wieder seine „Solo für Euch“-Tour. Hundertmal stand Reichel bis zum vergangenen Jahr damit auf der Bühne. Es sei eine große Erfahrung gewesen, fünf Jahre mit einer „Multimedialen Erinnerungsshow“ in deutschen Landen unterwegs zu sein und dabei „100mal auf ein begeistertes Publikum zu treffen“, schreibt Reichel auf seiner Internetseite und verspricht einen Fans: „Auf bald.“ 

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