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Ernst Kleemann: "Malindi" : Rasanter Hamburg-Thriller führt in seelische Abgründe

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Der Thriller "Malindi" führt in die traumatischen Abgründe einer Frau. Psychologe Marc Kessler kommt ihren verdrängten Erinnerungen auf die Spur - und damit einem unaufgeklärten Mord.

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erstellt am 09.Jul.2011 | 11:01 Uhr

Ständig diese fremde Frau vor seinem Haus. Dieser verstörte Blick. Dann eine zerstörte Vase. Der Hamburger Tiefenpsychologe Marc Kessler wird von einer Unbekannten beobachtet. Er - oder vielmehr sein Haus? Obwohl sie angibt, noch nie dort gewesen zu sein, kennt Helen Lechner die schmucke Stadtvilla des intellektuellen Lebemanns in- und auswendig.
Am Anfang des Romans "Malindi" steht ein Rätsel. Was verbindet die junge Ärztin mit der Alster-Residenz - ein Kindheitstrauma? Der Exil-Elmshorner Ernst Kleemann hat sich in seinem Thriller der Psychologie, der Verdrängung und dem Trauma angenähert.
Spur führt nach Afrika
So muss der Anblick der Villa in der Ärztin eine verdrängte Erinnerung ausgelöst haben, die sie noch als Erwachsene in eine Art Schockstarre versetzt. Und beinahe in den Tod treibt. Der von seiner Professur angeödete Psychologe Kessler will ihr helfen, das Trauma aufzuarbeiten und wird in Abgründe aus familiärer Gewalt und afrikanischen Aberglauben gezogen. Denn die schreckliche Vergangenheit der "Patientin" muss sich im kenianischen Malindi abgespielt haben. Doch was könnte ausgerechnet Kesslers Villa in Hamburg damit zu tun haben? Der Psychologe und die mittlerweile nicht mehr ganz so Fremde versuchen in Afrika, ein jahrzehntealtes Verbrechen aufzuklären.
Serien-Drehbuchautor Kleemann (u.a. Traumschiff) setzt in seinem Psychothriller auf Schnelligkeit, auf rasche Szenenwechsel und knappe Dialoge. "Malindi" liest sich daher auch recht schnell. Manchmal sind die Figuren aber nur angedeutet. Die Nebenhandlungen - eine Affäre mit einer selbstbewussten Seglerin, Streit mit der Uni, Stress mit dem neuen Buchprojekt - werden gestreift, der beziehungsgestörte Psychologe entzieht sich ihnen aber. Doch eine ausführliche Sezierung der Figuren hätte auch zu viel Geschwindigkeit aus der Geschichte genommen. So ist der Thriller um den Psychologen zwar packend und spannend, aber wenig psychologisierend.
(mn, shz)

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