Justus Frantz : Populäres vom Vater des Festivals

Weckte nur mäßiges Interesse: Justus Frantz in Flensburg. Foto: lukas
Weckte nur mäßiges Interesse: Justus Frantz in Flensburg. Foto: lukas

Vor 26 Jahren gründete der Dirigent Justus Frantz das Schleswig-Holstein Musik Festival. Ein Heimatbesuch mit Rachmaninow und Dvorák.

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15. August 2011, 09:47 Uhr

Flensburg | Als Dirigent hat er stets polarisiert. Seine Verdienste für die Musik- und Kulturlandschaft Deutschlands sind indes unbestritten. Zusammen mit Leonard Bernstein initiierte Justus Frantz 1985 das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF). Sein Ziel war damals klar. Der frisch gebackene Musikprofessor von der Lübecker Musikhochschule wollte klassische Musik einer breiten Masse zugänglich machen. Neun Jahre lang hielt Frantz die Zügel des SHMF als Intendant fest in der Hand und bescherte dem Norden das, was Richard von Weizsäcker einst als musikalischen Flächenbrand bezeichnete: Musik, die nicht nur in den Städten, sondern auch im Land überall gegenwärtig ist.
Doch seit jener Zeit haben sich der Gründervater und sein Festival, sagen wir mal, ein wenig auseinandergelebt. Und wie das dann bei abkühlenden Beziehungen so ist: Vielleicht telefoniert man noch regelmäßig, die Besuche werden aber weniger. Jeder lebt sein eigenes Leben und die Wege kreuzen sich nur selten. Womöglich erklärt gerade dies dann auch, dass das Deutsche Haus am Freitagabend eher mäßig besucht war. Frantz war angereist, die Philharmonie der Nationen im Gepäck und ein Programm mit Dvorák und Rachmaninow.
Die leisen Töne drohen zum Pausenfüller zu werden
Energisch dirigiert Frantz das Cellokonzert des Böhmen. Mit höchster Präzision liefert Mario Brunello hierzu das Solo-Spiel. Jede Nuance seines Saitenklanges installiert er feinsinnig im musikalischen Gesamtwerk. Die Philharmonie funktioniert wie ein Uhrwerk. Und schnell wird klar: Frantz hat dieses Orchester nicht nur aus der Taufe gehoben, er hat es maßgeschneidert und geformt.
Frantz will unterhalten. Da hat er nie einen Hehl draus gemacht. Denn die Massen und die Klassik, das ist seit jeher sein großes Thema. Und wohl auch deshalb steuerte er mit der Philharmonie immer wieder zielstrebig auf die Forte-Passagen zu. Populär ist das allemal, streitbar aber auch. Die leisen Töne drohen zum Pausenfüller zu werden, bis Frantz das nächste Spektakel inmitten der dunklen sinfonischen Klangwelten Rachmaninows auf der Bühne entzünden kann. Und so erinnerte die Philharmonie im Punkt Dynamik mitunter schon mal an einen hochmotorisierten Sportwagen, der auf der Autobahn zwar mit eindrucksvollen 260 Stundenkilometern davon braust, aber leider auf der idyllischen, beschaulichen Landstraße auch nur auf 120 Stundenkilometer abbremst. Unterhaltung geht vor, mitunter ungebremst.
Das laute Klatschen im Saal wartet der Maestro nur kurz ab, prompt schiebt er zwei Zugaben nach. "Der bietet noch was fürs Geld", sagt ein Herr im Publikum zu seiner Sitznachbarin. Und irgendwie wirkt Frantz ganzer Auftritt wie eine große Stellungnahme. Es ist seine Bühne, sein Orchester - und irgendwie ist es auch noch sein Festival.

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