Krebsleiden : Plattdeutsch-Autor Reimer Bull ist tot

Gestenreiche Erzählung: Reimer Bull bei einem Auftritt 2010 in Kiel. 'Seine Vortragskunst bleibt unvergessen', sagen Freunde. Foto: rtn
Gestenreiche Erzählung: Reimer Bull bei einem Auftritt 2010 in Kiel. "Seine Vortragskunst bleibt unvergessen", sagen Freunde. Foto: rtn

Plattdeutsch-Freunde trauern um Reimer Bull. Der niederdeutsche Autor und Professor ist Mittwochabend gestorben. Der 78-Jährige litt an Krebs.

shz.de von
07. September 2012, 12:30 Uhr

Langwedel | Reimer Bull starb zu Hause bei seiner Frau Anne in Langwedel (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Der Flensburger Professor und Bull-Weggefährte Willi Diercks bezeichnet den Verstorbenen als "die vortragende Stimme des Niederdeutschen". Reimer Bulls Witwe hatte Diercks über den Tod informiert. "Er hat nie versucht, die niederdeutsche Sprache künstlich zu stärken. Er hatte immer einen realistischen Blick dafür, dass sie da funktioniert, wo sie zu Hause ist - vor allem auf dem Land", erinnert Diercks.
Marianne Ehlers vom Schleswig-Holsteinischen Heimatbund würdigt Bull als "Mann, der keine Lesungen hielt, sondern erzählte". Weil er Schauspielunterricht in München genoss, wurden die Lesungen seiner plattdeutschen Bücher zu etwas Besonderem. "Seine Vortragskunst bleibt unvergessen", sagt Ehlers. Wegen seiner Krankheit hatte Bull bereits alle Auftritte abgesagt.
Humorvoll und nachdenklich gleichermaßen
Beim Quickborn-Verlag in Hamburg veröffentlichte Bull in den vergangenen 25 Jahren seine Bücher und Geschichten, "in denen er Teile seines Lebens zu bewahren versuchte", heißt es in einer Mitteilung des Verlages. "Mit Witz, Lebensklugheit und einem Spürsinn für die lichten und dunklen, vor allem aber auch denkwürdigen Momente verstand er es wie kein anderer, humorvoll zu schildern und gleichzeitig nachdenklich zu stimmen."
Reimer Bull wurde am 16. Dezember 1933 in Marne (Kreis Dithmarschen) geboren, wo er im Oktober 2002 die Ehrenbürgerschaft erhielt. Er hat Germanistik studiert und an der Universität Kiel gelehrt. 1993 wurde er mit dem Fritz-Reuter-Preis geehrt, 1997 mit der Lornsen-Kette des Schleswig-Holsteinischen Heimatbunds - der höchsten Auszeichnung des Vereins. Im Jahr 2000 erhielt er den Niederdeutschen Literaturpreis der Stadt Kappeln, 2003 den Kulturpreis des Kreises Dithmarschen. In diesem Jahr wurde er mit der Verdienstorden des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet.

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