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Albig bei Vorlese-Initiative in Kiel : „Papa liest auch vor“: Keine Transparenz beim Geschäft mit der guten Sache

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ministerpräsident Albig liest Kinderbücher für die Stiftung Lesen. Die spricht nur ungern über das Geld, das sie bewegt.

Kiel | In Kiel wird am heutigen Mittwoch eine neue Vorlese-Initiative vorgestellt. Ministerpräsident Torsten Albig ist der Schirmherr. Was Sinn ergibt, schließlich heißt die Initiative „Mein Papa liest auch vor“. Konzept und Materialien kommen von der Stiftung Lesen, Deutschlands größter Institution in Sachen Vorlesen. Die Unternehmen, die sich das Projekt ins Haus holen und ihren männlichen Mitarbeitern mit Familie ein Stück Lebenshilfe für die Kinder an die Hand geben wollen, haben so einen renommierten Partner an ihrer Seite.

Die Stiftung verantwortet medienwirksame Aktionen wie den Tag des Vorlesens, verteilt am Welttag des Buches 1,1 Millionen Bücher an Schüler und vermittelt mit der Lesestart-Aktion Büchersets über Kinderärzte, Bibliotheken und Schulen an Eltern.

Zahlreiche Initiativen im ganzen Land tragen die Literatur zu den Kindern, wollen durch das Vorlesen das Interesse des Nachwuchses auf das Buch lenken, doch keine ist so einflussreich und finanziell gut ausgestattet wie die Stiftung Lesen. „Da werden große Summen bewegt, aber die, die die Arbeit vor Ort machen, die ehrenamtlichen Helfer, bekommen davon nichts“, kritisiert Barbara Knieling vom Bundesverband Leseförderung, der 2009 in Stuttgart gegründet wurde, um die ehrenamtlichen Initiativen zusammenzufassen und den vorlesenden Laien pädagogisches Handwerkszeug zu vermitteln. Die kleineren Initiativen haben es schwer, Mittel für ihre Arbeit zu bekommen.

Die Stiftung Lesen hat gute Argumente im Gepäck – liefert ihr eigenes Forschungsinstitut doch Erkenntnisse darüber, dass Kinder, denen früh vorgelesen wird, besser lesen, besser lernen und erfolgreicher werden.

Dass Nachholbedarf in Sachen Lesefähigkeit besteht, ist spätestens seit den vernichtenden Pisastudien klar. Doch selten hat ein Notstand so eine große Welle von Aktionismus nach sich gezogen. Schwache Leistungen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich treiben nur wenige Ingenieure in die Schulen. Auch mathematische Tüfteleien fristen eher ein Randdasein. Warum also all diese Leseinitiativen?

Es geht um Kinder, um Bildung und um des Bildungsbürgers liebstes Gut – das Buch. Da zeigen auch Ministerpräsidenten, Prominente und Unternehmen gern Gesicht. Wenn die Stiftung herausfindet, dass immer noch zu wenige Väter vorlesen, dann wird daraus ein neues Projekt, eine neue Gelegenheit, sich für das Lesen stark zu machen.

Der Buchmarkt begrüßt und unterstützt die Projekte und profitiert auch davon. Weil jedes Jahr mehr Kinder- und Jugendbücher auf den Markt kommen, müssen Leser gefunden werden. Die Autoren dieser Bücher können vom Schreiben allein nicht mehr leben, deshalb sind sie sehr aktiv in Sachen Lesungen. Das ist nicht ehrenrührig, sondern harte Arbeit. Doch über Geld wird in diesem Bereich nicht gern gesprochen. Schließlich geht es um Kinder und um Bildung, da soll nicht der Eindruck entstehen, es könnte sich jemand bereichern.

Auch wenn die Stiftung Lesen mit großen Organisationen wie der Bahn-Stiftung, Aldi Süd oder McDonald’s kooperiert, sind die Summen, die bewegt werden, angeblich nicht genau zu beziffern. Es werden Lizenzen und Bücher gekauft, Forscher und Pädagogen, aber natürlich auch Verwalter und PR-Profis bezahlt, um Kinder ans Buch zu führen. Nur die Transparenz bleibt auf der Strecke.

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erstellt am 02.Sep.2015 | 10:04 Uhr

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