Fazil Say im Interview : "Notenschreiben ist mein Ruhepol"

Am Flügel kann Fazil Say entspannen.  Foto: dpa
Am Flügel kann Fazil Say entspannen. Foto: dpa

Als Pianist und Komponist ist Fazil Say ebenso virtuos wie eigenwillig. Auch jenseits der Bühne biedert sich der 41-Jährige nicht an, gibt er im Interwiev offen zu.

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14. Juli 2011, 09:36 Uhr

Kiel | Sie haben allein fürs Schleswig-Holstein Musik Festival drei Werke erschaffen. Fällt Ihnen das Komponieren sehr leicht?
Ja. Ich komponiere, seit ich fünf bin. Wenn ich gute Ideen habe, bringe ich sie gern zu Papier. Das Notenschreiben ist mein Ruhepol, ich betrachte es als einen beinahe meditativen Prozess. Auf jeden Fall ist mein Komponistendasein weniger ermüdend und stressig als meine Arbeit als Konzertpianist.
Was empfinden Sie bei den Uraufführungen Ihrer Stücke?
Ich genieße vor allem die, bei denen ich nicht selber am Flügel sitze. Bis vor vier Jahren habe ich jede Komposition gespielt. Dann kam ich an einen Punkt, wo mir das nicht mehr genügte. Ich wollte für andere Musiker schreiben. Deswegen widmete ich Patricia Kopatchinskaja ein Violinkonzert.
Und jetzt haben Sie eigens für Sabine Meyer ein Klarinettenkonzert komponiert.
Wir sind schon mehrfach als Duo aufgetreten. Mit Werken der französischen Moderne. Ich bin also mit ihrem Spiel vertraut. Insofern hatte ich kein Problem, die passende Musik für sie zu finden.
Ging es Ihnen genauso, als Sie ein Stück für den Perkussionisten Martin Grubinger geschrieben haben?
Das war ein Geschenk für Martin und seine Frau, die Pianistin Ferzan Önder - zur Geburt ihres Babys. Als ich gerade über das Finale nachgedacht habe, ist mein bester Freund und Manager Wolfgang Mohr gestorben. Darum floss meine Trauer in die letzte Variation ein. Dieses Werk reflektiert also nicht nur den Beginn eines neuen Lebens, sondern auch den Tod.
Beim "Musikfest auf dem Lande" in Pronsdorf steht wiederum ein Liederzyklus von Ihnen auf dem Programm.
Dafür ließ ich mich von türkischen und deutschen Gedichten inspirieren. Die junge Mezzosopranistin Annelie Sophie Müller wird meine Lieder mit ihrem Pianisten Elif Sahin-Nesweda interpretieren. Die beiden haben im vergangenen Jahr den Hugo-Wolff-Wettbewerb in Stuttgart gewonnen.
Für Lieder haben Sie offensichtlich mehr übrig als für die türkische Arabeske. Warum ziehen Sie öffentlich über dieses Genre her?
Ich habe nicht die Musik an sich kritisiert, sondern die Leute, die diesen billigen Kommerz zur Hochkultur stilisieren wollen. Dummerweise wurde das missverstanden, deshalb sehen die Arabesk-Musiker nun in mir einen bitterbösen Feind.
(shz)

Fazil Say tritt Mi., 20. Juli, 20 Uhr, im Kieler Schloss auf. Do., 21. Juli, 20 Uhr, gastiert er in der Elmshorner Reithalle, Do., 28. Juli, 20 Uhr, in der Plöner Nikolaikirche. Sein Klarinettenkonzert wird Sa., 16. Juli, 20 Uhr im Kieler Schloss von Sabine Meyer und dem Bilkent Symphony Orchestra uraufgeführt. Martin Grubinger präsentiert mit Ferhan und Ferzan Önder am Do., 4. Aug., 20 Uhr, im Deutschen Haus in Flensburg erstmals Says Werk für zwei Klaviere und einen Perkussionisten. Annelie Sophie Müller und Elif Sahin-Nesweda besorgen am So., 14. Aug., 16 Uhr im Pronsdorfer Kuhstall die Uraufführung seines Liederzykluses. Karten: 0431/237070

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