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Eröffnung in Lübeck : Nordische Filmtage: Ein Gegengewicht zum lauten Hollywood

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei den 56. Nordischen Filmtagen sind so viele Streifen wie nie zuvor zu sehen. Schon zur Eröffnung wird ein Zeichen gesetzt.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2014 | 07:50 Uhr

Lübeck | Maße und Gewichte sind nicht zum Lachen. Doch es ist gerade die vollkommene Abwesenheit von Humor, in der Bent Hamer die komischen Seiten des Lebens entdeckt. Lakonisch erzählt der norwegische Regisseur in „1001 Gramm“ von Marie (Ane Dahl Torp), die – das norwegische Kilogramm zwecks Kalibrierung im Gepäck – vom Eichamt ins internationale Büro für Gewichte und Maße nach Sèvres bei Paris geschickt wird. Quadratisch, praktisch, kühl meint sie, ihr weitgehend freudloses Leben im Griff zu haben. Als Gott der Messbarkeit trägt sie das norwegische Referenzgewicht im Herzen und im Gepäck mit sich. Doch statt in berechenbare Routine gerät sie an einen ganz und gar unkalkulierbaren persönlichen Wendepunkt. Mit der Deutschlandpremiere dieses Spielfilms sind die Nordischen Filmtage Lübeck (NFL) am Mittwoch in ihre 56. Auflage gestartet. Sie gelten als bedeutendste Werkschau für Filme aus Nord- und Nordosteuropa außerhalb Skandinaviens.

Insgesamt 173 Filme sind bis zum 2. November zu sehen – so viele wie nie zuvor. Rekorde sind normal geworden beim renommierten Festival: Die Anzahl der Besucher – im vergangenen Jahr 27.900 –, die der Filme und Nebenveranstaltungen steigen seit Jahren.

„Aufbruch und Neuorientierung“ heißt das Motto, unter das die künstlerische Leiterin der NFL die Spielfilme gestellt hat. 18 insgesamt stehen im Wettbewerb um sechs von insgesamt acht Auszeichnungen, die am Sonnabend im Theater Lübeck bei der Filmpreisnacht vergeben werden. Dass Bent Hamers poetische Reflexion über den Wert des Lebens dabei bedacht wird, wäre zumindest ungewöhnlich für die eigenwilligen NFL-Juroren. Vermutlich leer geht da auch der Gewinner des Goldenen Löwen von Venedig aus: „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ (Roy Andersson, Schweden).

Zumindest hat Linde Fröhlich mit dem Eröffnungsfilm jedoch ein Zeichen gesetzt: Das Festival bietet hohe Qualität und gibt dem „typisch“ Nordischen Raum. Bei Hamer zum Beispiel muss man nicht erst den Originalton hören, um Norwegen zu spüren. Ohne große Gesten und ohne große Worte gelingt es hier, dem lauten Hollywood ein stilles Schwergewicht entgegenzusetzen. Hohe Qualität ist vor allem auch in den Sparten Kinder- und Jugendfilme zu erwarten, bei den Dokumentar- und Kurzfilmen und in der Retrospektive, die sich in diesem Jahr dem Thema Humor hingibt.

Zwei der acht Filmpreise gehen am Sonnabend übrigens in die mit 37 Beiträgen bestückte Abteilung Kinder und Jugend. Die hat sich aus dem Status des Geheimtipps befreit und ist auch Erwachsenen dringend zu empfehlen.

A-2 The Queen of England Stole My Parents (trailer, short feature film) from Vydmantas Plepys on Vimeo.


 

Informationen über Film-Programm, Events und Tickets gibt es unter: www.filmtage.luebeck.de

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