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Mit Video : NordArt 2015 in Büdelsdorf: Besuch bei der Schweinebande

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Samstag wird die NordArt 2015 in der Carlshütte eröffnet. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt der Ausstellung auf der mongolischen Kunst. shz.de nimmt Sie schon heute mit auf einen Video-Rundgang.

shz.de von
erstellt am 05.Jun.2015 | 11:22 Uhr

Bei Stefan Bircheneder verbindet sich alles. Die Kunst, die Umgebung, die NordArt. Bircheneder stellt Bilder von Sicherungskästen und Schaltpulten aus, alle in Öl gemalt. Hier, in diesem kleinen Pavillon auf der NordArt verschwimmen die Ebenen, treffen sich Fiktion und Realität. Denn die Motive seiner Bilder finden sich zahlreich in der ehemaligen Eisengießerei Carlshütte, die 22.000 Quadratmeter große Industriehalle selbst ist ein Exponat der NordArt. Noch nie wurde das deutlicher als in diesem Jahr, da erstmal ein Teil der Halle nicht als Ausstellungsfläche genutzt wird, sondern sich selbst überlassen bleibt: Die großen Stahlträger und der geflickte Steinboden, die Kabel und die Lichtfenster im Dach formen einen Ort, der eine eigene, ursprüngliche Ästhetik entwickelt.

Kurator Wolfgang Gramm sieht die NordArt, die morgen eröffnet wird, ohnehin als Gesamtkunstwerk, Hallen und Werke gehören dabei für ihn zusammen: „Alles steht miteinander in Verbindung.“

In gewisser Hinsicht stimmt das, denn die überwiegend großflächige Kunst erscheint in den Weiten der Carlshütte in immer wieder neuen Sichtachsen. So entstehen ständig neue Beziehungen. Die Nord Art ist damit Überraschung und Überforderung zugleich. Bei fast 1000 Werken in Hallen und Skulpturenpark bekommt nicht jedes Werk die Aufmerksamkeit, die es verdient. Und nicht jedes Werk verdient die Aufmerksamkeit, die es bekommt. Die Kuratoren können die eigenen Qualitätsansprüche nicht immer halten.

Imposant ist mal wieder der Eingangsbereich. Wer die Halle betritt, steht einer Schweinebande gegenüber, die in Größe und Aussehen beeindruckend ist. „Festmahl“ heißt das zehn Tonnen schwere Gelage des Chinesen Lv Shun, bei dem elf Schweine aus Stahl mehr oder minder kontrolliert ihrem Fresstrieb nachgehen. Ein aggressives Werk, das sofort Assoziationen mit George Orwells zeitloser Fabel „Farm der Tiere“ weckt. Immerhin sind es die Schweine, die den schönen Sozialismus auf der Farm unterlaufen: „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.“ Die Schweine zeigen bei Orwell die hässlichen Fratzen der Macht, bei Lv Shun kommen die Borstenviecher auch nicht viel besser weg.

Sozialkritische Kunstwerke finden sich auch in diesem Jahr wieder zahlreich auf der Nord Art. Nicht immer geht es um Politik, oft stehen auch der Mensch und sein soziales Umfeld im Fokus. Die Künstlichkeit gesellschaftlicher Lebensentwürfe spielen in der Kunst, die in Büdelsdorf gezeigt wird, eine große Rolle.

Gerade unter den ausgestellten Fotos sind eindrucksvolle Beispiele dafür. Bei Alexa Wright aus Großbritannien etwa, die ganze Lebenswelten in kleine Zimmer bannt; Räume, die wie Rückzugsorte vor der hässlichen Welt draußen vor dem Fenster wirken. Oder die Ungarin Anna Tihanyi, die mit ihren Fotos ganze Geschichten über ihre Protagonisten erzählt. Viele Foto-Serien der diesjährigen Nord Art haben einen genaueren Blick verdient.

Auch aus dem Schwerpunktland Mongolei werden einige interessante Arbeiten gezeigt, nicht zuletzt Otgo Otgonbayars Riesenbild „Mensch“, an dem er über zwei Jahre gearbeitet hat. Auf etwa zwei mal sieben Metern hat Otgo Tausende farbige Figuren mit Acryl auf die Leinwand gemalt, Menschen und Tiere, alle miteinander verbunden. Ein Wimmelbild – im besten Sinne. Und ein Beleg dafür, wie sich viele kleine Bilder zu einem großen zusammenfügen. So wie es bei der Nord Art sein soll.


> Nord Art 2015, Carlshütte, Vorwerksallee Büdelsdorf. Eröffnung: Samstag, 17 Uhr. Bis 4. Oktober.

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