zur Navigation springen

Husum : Nicht jede Hilfe ist willkommen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Landestheater-Intendant empört sich über das Angebot für eine Ersatzspielstätte im Husumer Congress-Centrum

von
erstellt am 21.Dez.2013 | 07:00 Uhr

Das vorläufige Aus für den Theaterneubau in Schleswig löst immer neue Reaktionen aus. Ein Angebot kommt nun aus Husum: „Wir wollen gerne helfen“, sagt der Geschäftsführer der Husum Messe und Congress GmbH, Peter Becker, „und bieten dem Landestheater unser Nordsee Congress-Centrum (NCC) als Spielstätte an.“

Der Generalintendant des Landestheaters, Peter Grisebach, wunderte sich über die Nachricht aus Husum. „Ich schwanke zwischen Empörung und Belustigung.“ Seiner Meinung nach eigne sich der große Saal der Messehalle zwar für die bereits dort stattfindenden Sinfoniekonzerte, allerdings nicht für Theaterstücke.

Vor gut drei Jahren hatte man in Husum für rund 15 Millionen Euro ein Kultur- und Veranstaltungscenter mit 900 Plätzen errichtet. Der große Saal ist an 130 Tagen im Jahr ausgelastet. „Wir sind Spielstätte für das Schleswig-Holstein Musik Festival, haben Musicals und Theateraufführungen im Haus gehabt und sind natürlich als Messestandort für die vielfältigsten Anforderungen gerüstet“, erklärte Becker, der wisse, dass hohe Investitionskosten durch Hochkultur-Aufführungen allein nicht eingefahren werden könnten. „Die Mischung macht die Wirtschaftlichkeit aus.“

Die geplanten Neubaukosten eines Theaters in Schleswig würden nach Meinung des Husumer Messe-Geschäftsführers unter den angedachten Voraussetzungen kaum zu erwirtschaften sein. „Wir sind gerne bereit, unser Haus zur Verfügung zu stellen. Sollte es noch spezielle Veränderungswünsche geben, lassen sich diese sicher mit weit weniger Kosten realisieren, als in Schleswig einen Neubau zu finanzieren.“

Bei allem Verständnis für die traditionsreiche Vergangenheit des Landestheaters in Schleswig sehe Becker in Zeiten knapper Kassen der öffentlichen Hände den wirtschaftlichen Aspekt im Vordergrund.

Becker wies darauf hin, dass das NCC-Team durch internationale Messen große Erfahrung in der Organisation von Shuttle-Lösungen habe. „Zu unseren Veranstaltungen kommen Leute aus Schleswig und anderen Orten Schleswig-Holsteins. Warum sollten wir nicht Shuttle-Busse einsetzen, damit die Schleswiger in Husum wunderbare Theateraufführungen erleben können?

Intendant Peter Grisebach meinte, dass Messe-Chef Peter Becker wohl nicht begriffen habe, dass es nicht um eine einzelne Bühne geht, die in Zukunft fehlen werde, sondern um eine Produktionsstätte – mit Verwaltung, Werkstätten und Probenräumen.

Die Schleswiger Ratsversammlung hatte einen Neubau abgelehnt. Dadurch sind das Landestheater im Ganzen und etwa 340 Arbeitsplätze gefährdet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen