Zum 200. Todestag : Neues Matthias-Claudius-Denkmal in Wandsbek

Matthias Claudius.
Matthias Claudius.

Gäbe es nicht sein „Abendlied“ mit dem bekannten Eröffnungsvers „Der Mond ist aufgegangen“, wäre Matthias Claudius heute vielleicht gänzlich vergessen. Ein Denkmal soll in Wandsbek an den Literaten erinnern.

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20. Januar 2015, 11:17 Uhr

Hamburg | 200 Jahre nach dem Tod von Matthias Claudius (1740-1815) wird der Dichter in Hamburg-Wandsbek mit einem neuen Denkmal geehrt. Die sechs Meter breite und fast drei Meter hohe Bronzeskulptur des Worpsweder Bildhauers Waldemar Otto (85) wurde am Dienstag an der Christuskirche aufgestellt, wie das Gemeindebüro mitteilte. Sie soll am Sonntag nach einem Festgottesdienst feierlich enthüllt werden. Die Skulptur mit dem Titel „Der Mond ist aufgegangen“ zeigt Claudius, wie er unter das Firmament tritt und der Mond aufgeht. Die sieben Strophen des Abendlieds sind am Sockel zu lesen.

Matthias Claudius wird am 15. August 1740 als Sohn des Pfarrers von Reinfeld im Herzogtum Plön in Holstein geboren. Nach dem Besuch der Lateinschule studiert er an der Universität Jena zunächst Theologie, später Rechts- und Verwaltungswissenschaften. Er schließt sein Studium nicht mit dem Examen ab und erhält stattdessen eine Anstellung als Privatsekretär des Grafen Holstein in Kopenhagen. Bereits ein Jahr vorher – 1763 – war sein erstes Buch mit Erzählungen unter dem Titel „Tändeleyen und Erzählungen“ erschienen. Verspielt und dem Diesseits zugewandt, atmet es noch den Geist des Rokokos, wie er auch Goethes frühe Dichtungen prägte.

Statt seine Kreativität in uninteressanten Tätigkeiten zu erschöpfen – zwei Jahre lang sammelt er als Redakteur der Hamburger „Addreß-Comtoir-Nachrichten“ Börsenberichte und verfasst Meldungen über ankommende Schiffe –, wendet sich Matthias Claudius lieber dem literarischen Journalismus zu. Er ist mittlerweile mit Anna Rebekka Behn verheiratet und lebt in Wandsbek; der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock, ein Vertreter der Literatur der „Empfindsamkeit“ und Verfechter der Ideen der Aufklärung, war sein Trauzeuge. Claudius sorgt dafür, dass sein Wohnort in die Literaturgeschichte eingeht: Von 1771 bis 1775 gibt er das Nachrichtenblatt „Der Wandsbecker Mercurius“ (später „Wandsbecker Bothe“) heraus – die erste deutsche Volkszeitung mit literarischen und wissenschaftlichen Themen, für die er Autoren wie Goethe, Herder, Lessing und Bürger gewinnt. Noch heute prägen die Insignien eines wandernden Boten – Hut, Stock und Tasche – das Wandsbeker Wappen.

1774 nimmt ihn die Freimaurerloge „Zu den drei Rosen“ in Hamburg, 1777 die Andreas-Loge „Fidelis“ als Mitglied auf. Unter dem Einfluss freimaurerischen Gedankenguts übersetzt Claudius mehrere Bücher aus dem Französischen und Englischen; gleichzeitig entsteht eine Anzahl von Tafelliedern und anderen Schriften, die die Ideale der Logenbrüder feiern: „Die Menschen tragen Ketten und sind Sklaven; aber sie sind nicht geboren, es zu sein, und haben die Hoffnung nicht verloren, wieder frei zu werden.“

Nach seiner Tätigkeit für den „Wandsbecker Boten“ erhält Claudius durch Vermittlung seines Freundes Johann Gottfried Herder eine Anstellung als Oberlandesökonomierat in Darmstadt, wo er auch die Redaktion der „Hessen-Darmstädtischen privilegirten Land-Zeitung“ übernimmt. Doch schon nach einem Jahr siedelt er mit seiner Familie wieder nach Wandsbek über, weil er die feudal-subalterne Atmosphäre am Darmstädter Hof nicht mehr erträgt. Er will endlich als freier Schriftsteller leben, was ihn und seine vielköpfige Familie zunächst in Jahre der Armut stürzt.

Ein Ehrensold des dänischen Kronprinzen Friedrich und eine Stelle als Bankrevisor retten ihn schließlich aus der finanziellen Misere. Claudius gibt seine Werke, die ab 1775 in unregelmäßiger Folge erscheinen, nun unter dem Pseudonym „Asmus“ heraus. 1779 entsteht sein in den deutschen Volksliedschatz eingegangenes, an die Dichtungen der Romantik angelehntes „Abendlied“. Seine berühmte erste Strophe lautet: „Der Mond ist aufgegangen/Die goldnen Sternlein prangen/Am Himmel hell und klar./Der Wald steht schwarz und schweiget/Und aus den Wiesen steiget/Der weiße Nebel wunderbar.“ 1790 vertont es der Komponist Johann Abraham Peter Schulz zum ersten Mal. Von ihm stammt die bis heute bekannte Melodie; weitere Bearbeitungen folgen – von Franz Schubert über Carl Orff bis Herbert Grönemeyer. Auch „Der Tod und das Mädchen“, entstanden 1774, gehört zu den Dichtungen von Matthias Claudius, die sich aufgrund einer Vertonung – hier als Kunstlied und als Streichquartett von Franz Schubert – bis heute großer Popularität erfreuen.

Im Sinne der „Empfindsamkeit“ (Lessing) überwiegen im Werk von Matthias Claudius seit den 80er Jahren religiöse und gegenaufklärerische Aspekte; er widmet sich nun vordringlich der religiösen Erbauung und pietistischen Erziehung seiner Leser. Ein berühmt gewordener Brief an seinen Sohn Johannes aus dem Jahr 1799 dokumentiert den Charakter der menschenfreundlichen Belehrung, den seine Schriften nun annehmen: „Lerne gerne von ander’n und wo von Weisheit, Menschenglück, Licht, Freiheit, Tugend etc. geredet wird, da höre fleißig zu.“

Damit näherte sich Matthias Claudius den Überzeugungen theologisch und politisch konservativer Kreise, die soziale und kirchliche Reformen ablehnten und den Ideen der Französischen Revolution kritisch gegenüber standen. Damit begründete er aber auch seinen Ruf als Dichter des einfachen Volkes, der mit seinen volkstümlichen, bewusst naiven, manchmal humoristischen, manchmal melancholisch-träumerischen Gedichten und Liedern breite Leserkreise erreichte: „So legt euch denn, ihr Brüder,/in Gottes Namen nieder; kalt ist der Abendhauch./Verschon’ uns, Gott, mit Strafen/und lass uns ruhig schlafen!/Und unsern kranken Nachbarn auch.“

1813 musste Claudius mit seiner Familie vor den Folgen der Napoleonischen Kriege aus Wandsbek flüchten. Über Kiel und Lübeck gelangte er schließlich nach Hamburg, wo er am 21. Januar 1815 schwerkrank im Haus seines Schwiegersohns starb.

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