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Günter-Grass-Haus in Lübeck : Neue Ausstellung zeigt Grass als Soldat

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Das Günter-Grass-Haus in Lübeck zeigt den späteren Nobelpreisträger in Uniform. Die Besucher konnten das Thema der Ausstellung wählen.

Lübeck | Das Lübecker Günter-Grass-Haus schlägt ein neues Kapitel auf. Ausgehend von Grass' Erinnerungsbuch „Beim Häuten der Zwiebel“ wird dort ab Sonntag mit Reden, Briefen und Manuskripten seine Zeit als Luftwaffenhelfer, Rekrut und Mitglied der Waffen-SS beleuchtet. Das Ausstellungskapitel „Grass als Soldat“ verdeutliche, wie stark die Erlebnisse in der NS-Zeit und im Zweiten Weltkrieg Leben und Werk des Literaturnobelpreisträgers geprägt hätten, sagte der Leiter des Hauses, Jörg-Philipp Thomsa, am Freitag.

An einem Multimediatisch kann sich der Besucher durch eine Vielzahl von Dokumenten klicken. Das reicht von einem Foto des 16-jährigen Grass in der Uniform des Reichsarbeitsdienstes - dem einzigen, das es von Grass in Uniform gibt - über Gedichte zum Thema Krieg bis zu einem Gespräch mit dem Verleger Klaus Wagenbach aus dem Jahr 1963. Darin spricht der Schriftsteller offen über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS. Auch seine Akte aus dem US-Kriegsgefangenenlager Bad Aibling ist in der Ausstellung zu sehen. Darin hatte der damals 18-Jährige als Beruf „Schüler“ und als Einheit „SS-Panzerdivision Frundsberg“ angegeben.

„Grass hat seine Zugehörigkeit zur SS keineswegs bis 2006 verschwiegen, wie oft behauptet wurde. Wie die Ausstellung zeigt, ist er bis Anfang der 1960er Jahre offen damit umgegangen. Dann hat er nach eigenen Worten aus Scham darüber geschwiegen und sich diese Belastung erst in seinem 2006 erschienenen Buch 'Vom Häuten der Zwiebel' von der Seele geschrieben“, sagte Thomsa.

In dem Buch beschreibt der Literaturnobelpreisträger, dass er sich mit 17 freiwillig zur U-Boot-Truppe gemeldet habe, dann aber zur SS eingezogen worden sei. Zuvor hatte es in offiziellen Biografien stets geheißen, Grass sei 1944 als Flakhelfer eingezogen worden. Sein spätes Geständnis hatte bei vielen Menschen für Empörung gesorgt, da Grass jahrzehntelang den Eliten des Landes immer wieder eine unzureichende Aufarbeitung der NS-Vergangenheit vorgeworfen hatte.

Das Thema „Grass als Soldat“ ist auf Wunsch der Ausstellungsbesucher ausgewählt worden. Seit der Neugestaltung des Günter-Grass-Hauses 2012 können Besucher darüber abstimmen, welches Thema als nächstes wissenschaftlich aufgearbeitet werden und dann ein Jahr lang in der Ausstellung zu sehen sein soll. Zur offiziellen Eröffnung am Sonntag wird der 1930 geborene Schauspieler Mario Adorf ein Kapitel aus „Beim Häuten der Zwiebel“ lesen.

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erstellt am 17.Okt.2014 | 16:33 Uhr

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