zur Navigation springen

Lesestoff : Nachklapp unerwünscht

vom

Kay Müller und Martin Schulte empfehlen Lesestoff zum Wochenende. Heute in aller Kürze Christopher Clarks Biographie über den letzten deutschen Kaiser.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2009 | 11:28 Uhr

Nein, mithalten mit seinem fulminanten Buch über die Geschichte Preußens aus dem vergangenen Jahr kann die jetzt erschienene Biografie über den letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. nicht. Das mag daran liegen, dass das Buch des in Großbritannien lehrenden Historikers Christopher Clark bereits 2000 auf englisch erschienen und erst jetzt übersetzt worden ist – wenn auch überarbeitet. Denn man merkt Clarks Biografie die publizistische Unreife an. Im Gegensatz zu "Preußen" ist "Wilhelm II." eine reine wissenschaftliche Studie – oft hat der Leser das Gefühl, der Akademiker hat vier Bücher gelesen und daraus ein neues geschrieben.
Das ist gewiss auf dem neuesten Forschungsstand und referiert auch die wesentlichen Erkenntnisse über Wilhelm II. – aber es ist eben wenig inspirierend und auch sprachlich nicht annähernd so gut wie "Preußen" Auf den wenigen Seiten in Clarks’ größerem Werk erfährt der Leser kulminiert und zugespitzt fast mehr über Wilhelm II. als in der gesamten Biografie. Hoffentlich klappt der Verlag aus Marketinggründen also nicht weitere ältere Clark-Bücher auf deutsch für ein breiteres Publikum nach, sondern wartet geduldig auf ein neues Buch dieses ambitionierten Historikers.
Christopher Clark: Wilhelm II: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers, Dva, ISBN-10: 3421043582, ISBN-13: 978-3421043580, 24,90 Euro

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen