Musical aus dem Barock

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22. Februar 2013, 03:59 Uhr

Flensburg | Es geht um einen erbarmungslosen Machtkampf; um den vergeblichen Versuch eines alten Herrschers, seinen Thron gegen die Ansprüche eines jungen Anwärters zu verteidigen. Mit Liebeshändeln, Intrigen, Gewalt, Magie. Aber dies ist keine TV-Seifenoper. Dies ist "Saul".

Der Flensburger Bach-Chor und das Schleswig-Holsteinische Sinfonieorchester brachten Georg Friedrich Händels Oratorium um den biblischen Gewaltherrscher Saul und den Hoffnungsträger David unter dem Motto "Neid" bei ihrem Gemeinschaftskonzert zu Gehör.

Neid ist die Grundmotivation des alten Königs, der von Martin Berner mit kraftvollem und farbenreichem Bass hervorragend verkörpert wird. David ist dagegen eine überirdische Lichtgestalt. Franz Vitzthum verleiht ihm mit wunderbar reinen und elastischen Altus die passende Stimme. Georg Poplutz begeistert mit charaktervollem Tenor als Sauls Sohn Jonathan - und die Sopranistinnen Hannah Zumsande und Anna Jobrandt faszinieren koloratur- und nuancierungsfreudig als dessen Schwestern Michal und Merab. Markus Wessiack (Geist Samuels) und Jin-Hak Mok (Hexe von Endor) komplettieren das Solisten-Sextett. Dazu gibt es großartige Szenen, in denen die Sänger unter der Leitung von Matthias Janz mit Klangfülle und Homogenität überzeugen.

Bemerkenswert ist die orchestrale Behandlung des Stoffes: Zum barock aufspielenden Streicherensemble und dem Cembalo gesellen sich neben Trompeten, Posaunen und Flöten auch Orgel, Harfe und sogar eine Celesta. So entsteht eine große Klangvielfalt. Da traut man seinen Ohren kaum, wie raffiniert Händel die Glocken mit den Frauenstimmen koppelte - oder wie die Beschwörung Samuels durch die Hexe mit fahlen Klängen von Oboen und Fagotten untermalt wird. Bestes "Grand Musical Entertainment" in barocker Manier!Weitere Aufführungen: Heute, 19.30 Uhr, Rendsburg, 2. März, 19 Uhr, Hamburg.

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