zur Navigation springen

Mit Udo durch die Galaxie

vom

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Lübeck | Das Beste zum Schluss: Mit dem inszenierten Live-Konzert "Liebe und Rebellion" lässt es das Lübecker Schauspiel-Ensemble zum Ende der Spielzeit noch einmal krachen. Poetische Kraftpakete wie Udo Lindenberg, Patti Smith, Edith Piaf, Falco, Bob Dylan, Johnny Cash, Michael Jackson, Rio Reiser, Klaus Hoffmann, Jim Morrison werden da vereint, die Beatles, die Toten Hosen, Freundeskreis, Wir sind Helden, Tic Tac Toe und Die Ärzte feiern das Leben. Erfolg ist ein schwaches Wort für das, was Schauspielchef Pit Holzwarth als Ideengeber und Regisseur bei der Premiere kassierte. Triumph passt da besser.

Wenn Holzwarth inszeniert, sich Werner Brenner als Ausstatter holt, Willy Daum als musikalischen Leiter und Arrangeur an der Seite hat und das stimmgewaltige Schauspielensemble im Rücken, dann ist der Abend sowieso so gut wie gerockt. Bei "Rio Reiser" und bei "Edith Piaf". Daum ist längst Leib- und Magenmusiker des Hauses, diesmal lenkt er mit "The Rebels" im Herzen der Bühne das Geschehen. Und das ist wahrhaft überirdisch: Gestartet wird die Enterprise. Mit den Beatles an Bord geht es in Galaxien ewiger musikalischer Jugend. Die Reiseleitung hat - schwarzer Hut, schwarze Kluft, Eierlikör - Udo Lindenberg (Andreas Hutzel). Wie den anderen sieben Darstellern gelingt es Hutzel, aus dem Schatten der Imitation herauszutreten. Es ist unverkennbar der vernuschelte und chronisch verstrahlte Lindenberg, doch erlebt der mit pointiert gesetzter Sprach- (und Sprech-)Kunst gleichsam eine Erhöhung in den Pop-Himmel. Die gleiche liebevolle Anerkennung erfahren Bob Dylan (Susanne Höhne), Edith Piaf (Vasiliki Roussi), Klaus Hoffmann (Henning Sembritzki), Campino (Will Workman), Jim Morrison (Astrid Färber), Judith Holofernes (Sara Wortmann), Falco (Matthias Hermann).

Trekkies wissen: Die Enterprise erlebt Fantastisches. Und so verschmelzen auf der Bühne Raum und Zeit. Lindenberg und Bob Dylan treffen dort zusammen, um Rio Reisers "Wir müssen hier raus" zu fordern; Klaus Hoffmann flirtet mit der Piaf, deren "Milord" sich mühelos in Opposition einreiht, die Tic Tac Toe mit "Warum", Die Ärzte mit "Junge", Falco mit "Egoist", Die Toten Hosen mit "Nichts bleibt für die Ewigkeit" anzetteln. Vasiliki Roussi befreit Michael Jacksons "Billie Jean" vom Kleister des Rufes kommerzieller Pop-Industrie.

Es ist eine galaktische Nacht, die das Premierenpublikum erlebt. Auch zeitlich. Zwei Stunden (ohne Pause) sind angekündigt, es gibt - das Publikum erkämpft sich mit Applaus im Stehen drei Zugaben - eine 45-minütige Verlängerung und lässt das Bühnenpersonal auch dann nur gehen, weil es selbst mal vor die Tür muss.

Nächste Termine: Do., 30. Mai und Mi., 12. Juni, jeweils 20 Uhr. Theater Lübeck (Kammerspiele), Beckergrube 16. Theaterkasse: 0451 399 600.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen