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Landesweites Kulturkonzept : Millionenschwere Großprojekte geplant

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schleswigs Theater, ein zentrales Museumslager in Rendsburg und ein neues Gebäude im Freilichtmuseum Molfsee - das Land will mehrere millionenschwere kulturelle Großprojekte anpacken.

<p>Martin Schulte ist Leiter der Kulturredaktion des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags.</p> von
erstellt am 18.Feb.2014 | 09:23 Uhr

Schleswig | Der theoretische Teil ist geschafft. Am vergangenen Freitag hat Anke Spoorendonk in Kiel die Empfehlungen für ein landesweites Kulturkonzept präsentiert.

In wenigen Tagen nun folgt der praktische Teil, dann muss sich die Ministerin erneut bewähren. Wenn die Schleswiger Stadtvertreter am 27. Februar über den Neubau eines Theaters in Schleswig abstimmen, wird einige Bewegung in die schleswig-holsteinische Kulturlandschaft kommen. Eine Entscheidung mit Folgen.

Wohl auch deshalb waren die Fraktionen gestern noch einmal nach Kiel geladen, sie sollten auf den vom Land bevorzugten Standort für den Theaterneubau eingestimmt werden: „Der kann nach meiner Meinung nur auf dem Gelände Hesterberg verwirklicht werden“, sagte Spoorendonk nach dem Treffen. Den Lollfuß, wo die alte, einsturzgefährdete Bühne steht, hält sie für ungeeignet. Und legte weitere 1,6 Millionen Euro von Land und Kommunen als Überzeugungshilfe bei. Damit soll unter anderem der nicht rückerstattungsfähige Vorsteuerbetrag von 1,3 Millionen Euro ausgeglichen werden, der bei einem Neubau fällig wäre. Insgesamt würde das neue Theater auf dem Hesterberg dann 15,4 Millionen Euro kosten, der Anteil der Stadt Schleswig soll dabei aber nicht über fünf Millionen hinausgehen. Das ist der Stand, über den die Schleswiger Politiker abstimmen werden.

Es geht aber am 27. Februar nicht nur um die Schleswiger Perspektive, es geht auch darum, wie es für andere Großprojekte im Land weitergeht. Wichtige Entscheidungen, die das Landestheater und die Landesmuseen betreffen, sind eng miteinander verbunden, planerisch und finanziell. Der erste Stein, der fällt, bringt alles andere in Bewegung. Und der erste Stein muss in Schleswig fallen.

Stimmen die politischen Vertreter in der Schleistadt für einen Theaterneubau auf dem Hesterberg, dann werden nicht nur sofort die dafür notwendigen Planungen beginnen, sondern auch gleichzeitig die für die Schaffung neuer Magazinräume in Rendsburg. Dort, in Sichtweite zum Jüdischen Museum, das zu den Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen zählt, hat sich die Stiftung auf einer Bundeswehr-Liegenschaft zwischen Kaiserstraße und Alter Kieler Landstraße drei ehemalige Lagergebäude – jeweils voll unterkellert und mit sechs Geschossen – sowie ein ehemaliges Wachhäuschen gesichert. 19.000 Quadratmeter Grund und 14.500 Quadratmeter Nutzfläche für den gesamten Sammlungsbestand aller Häuser des Landesmuseums. Der Kaufpreis für die Immobilien soll etwas weniger als eine Million Euro betragen. Bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) wartet man nur noch auf die Zusage der Verantwortlichen von der Gottorfer Museumsinsel – und die wiederum auf die Entscheidung der Schleswiger Stadtvertreter.

Sollten diese – was derzeit als der unwahrscheinlichere Fall gilt – allerdings gegen den Standort Hesterberg stimmen, dann wären die ehemaligen Bundeswehr-Immobilien in Rendsburg wieder auf dem Markt und der künftige Magazinstandort auf dem Schleswiger Hesterberg. Was die Kosten angeht, die günstigere Variante.

Ungefähr 1,5 Millionen Euro würde der Umbau des Geländes kosten, der Gebäudebestand erfordert nicht so umfangreiche Maßnahmen wie die Liegenschaft in Rendsburg. Dort muss bei den drei Häusern gerade im Bereich der Klimatisierung und Sicherheit nachgebessert werden. Zusätzlich zum Kaufpreis würde das noch einmal rund 4,6 Millionen Euro kosten. Dass die teure Lösung im Kulturministerium dennoch als die bessere angesehen wird, hängt nicht nur damit zusammen, dass der Hesterberg in Kiel – entgegen der Einschätzung vieler Schleswiger – als einzig möglicher Theaterstandort gilt; ein zentrales Magazin für alle Häuser des Landesmuseums, die über das ganze Land verteilt sind, bringt auch logistische Vorteile.

Aber für Anke Spoorendonk geht es jenseits aller logistischer und finanzieller Fragen auch um einen weiteren, nahezu unbezahlbaren Aspekt – um Glaubwürdigkeit. Die Ministerin hat viele Gespräche geführt in den letzten Monaten, sie hat sich die Sorgen und Nöte der Kulturschaffenden im Land angehört und große Projekte auf den Weg gebracht. Nun muss sie Ergebnisse liefern, um Durchsetzungsfähigkeit zu demonstrieren und Vertrauen aufzubauen. Denn es warten noch andere kulturelle Großbaustellen im Land.

Zum einen ist da der Bau eines Ausstellungsgebäudes für das Freilichtmuseum in Molfsee, das etwa zehn Millionen Euro kosten wird. Zum anderen geht es um die Umgestaltung Schloss Gottorfs bis 2025. Auch für diesen 16 bis 18 Millionen Euro teuren, sogenannten Gottorfer Masterplan müssen noch in dieser Legislaturperiode die entscheidenden Weichen gestellt werden. Große Aufgaben, mit denen die Ministerin sich profilieren kann. Theoretisch. Praktisch muss noch bei beiden Museumsprojekten an der Finanzierung gearbeitet werden.

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