Schleswig-Holstein Musik Festiival : „Mehr Applaus“: Geburtstagskonzert mit Justus Frantz

Justus Frantz hat auch 20 Jahre nach seinem Rücktritt als Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals noch viele Fans. Beim Konzert in Lübeck wird der 70-Jährige bejubelt.

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29. Juli 2014, 11:47 Uhr

Lübeck | Als Justus Frantz die Bühne betritt, brandet Beifall auf. Dabei hat er noch keinen Ton gespielt, keinen Takt dirigiert. Der Beifall steigert sich im Laufe des Abends noch, am Ende gibt es Applaus im Stehen. Mit einem Überraschungskonzert hat das Schleswig-Holstein Musik Festival in Lübeck seinem Gründer und langjährigen Intendanten Justus Frantz nachträglich zum 70. Geburtstag gratuliert.

„Ich danke Ihnen, dass Sie alle gekommen sind“, sagte der sichtlich gerührte Jubilar, der am 18. Mai 70 Jahre alt wurde. Sein Alter merkt man ihm nicht an. Voller Elan stürmte er auf die Bühne, aus der Brusttasche seines Fracks schaut keck ein leuchtend rotes Einstecktuch heraus. „Das Programm des heutigen Abends ist eine Überraschung, auch die Musiker wissen nicht, welche Stücke gespielt werden“, sagt Frantz. Das stimmt allerdings nur halb. Das Konzertprogramm kündigt immerhin Mozarts Klavierkonzert in C-Dur und die „Frühlingssymphonie“ von Robert Schumann an. Dazu gibt es ein paar weitere Stücke nach Ansage: Edward Griegs „Herzwunden“, Beethovens Prometheus-Ouvertüre und zwei ungarische Tänze von Johannes Brahms.

Das überwiegend ältere Publikum in der ausverkauften Musik- und Kongresshalle feiert den Pianisten Frantz, den Dirigenten Frantz und das von ihm gegründete Orchester, die Philharmonie der Nationen, mit großem Beifall. Mit dem ihm eigenen Humor führt der Jubilar durchs Programm und hat immer wieder die Lacher auf seiner Seite. Als ihm der Beifall nach der Prometheus-Ouvertüre zu spärlich erscheint, lässt er das Stück kurzerhand noch einmal spielen. Begründung: „Ich fand, das Orchester hat besser gespielt, als Sie es gewürdigt haben“. Das Publikum versteht den Wink und bejubelt die zweite Auflage der Ouvertüre.

Zu Beginn des Abends hatte Festivalintendant Christian Kuhnt die Verdienste des Jubilars um das Schleswig-Holstein Musik Festival gewürdigt. „Justus Frantz hat mit dem Schleswig-Holstein Musik Festival Brücken gebaut zu Menschen, die zuvor keine Berührung mit klassischer Musik hatten“, sagte Kuhnt. „Er hat das Musikleben in Deutschland nachhaltig zum Guten verändert“, sagte er.

Frantz hatte als Gründer und Intendant des Festivals in den Jahren 1986 bis 1994 auch durch seine persönlichen Kontakte international bekannte Musiker wie Leonard Bernstein und Christoph Eschenbach und so internationales Flair ins bis dahin eher beschauliche Schleswig-Holstein geholt. Nach Querelen um ein Millionendefizit war er 1994 als Intendant zurück getreten. Seinem Nach-Nach-Nachfolger Kuhnt wünschte Frantz viel Erfolg. „Möge es Ihnen gelingen, dieses ziemlich ausgewachsene Baby Schleswig-Holstein Musik Festival weiterhin großzuziehen“, sagte Frantz. 

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