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Lübecker Musik- und Kongresshalle MUK : Maroder Konzertsaal bedroht auch SHMF

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Zustand der Lübecker MuK verwirbelt die Kultur im südöstlichen Landesteil. Nun ist auch das Schleswig-Holstein Musik Festival bedroht, denn noch weiß niemand zu sagen, wie lange die Sanierungsarbeiten dauern werden.

Lübeck | Der Termin steht. Am 2. Juli 2016 startet das Schleswig-Holstein Musik Festival in die neue Runde; es ist die 31. und in drei Jahrzehnten haben sich liebgewonnene Traditionen herausgebildet. Zum Beispiel die, dass Voreröffnungs- und Eröffnungskonzert in der Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK) stattfindet. Der vom Architekten Meinhard von Gerkan entworfene Kulturtempel an der Trave ist acht Jahre jünger als das Festival und war bisher der Größe und hervorragenden Akustik wegen eine seiner herausragenden Spielstätten. Was jedoch im kommenden Sommer wird, steht in den Sternen.

Nach dem Festival ist vor dem Festival. Intendant Christian Kuhnt und seine Truppe stecken längst in der Planung für den kommenden Sommer. Acht Wochen lang soll es mit Joseph Haydn als Retrospektiv-Künstler durchs Land gehen – und eigentlich auch durch die MuK. Zwölf Mal wurde deren bis zu 1900 Besucher fassender Konzertsaal im vergangenen Sommer vom SHMF genutzt. Rückblickend muss man wohl froh sein, dass dem Publikum nichts passiert ist. Denn die Deckenkonstruktion droht, sich aus ihrer Verankerung zu lösen. Wie lange schon Gefahr im Verzug ist, weiß man offenbar ebenso wenig, wie man sagen kann, wann die Sanierung abgeschlossen ist und was sie kostet. Nähere Erkenntnisse stehen für kommende Woche in Aussicht. Soviel aber scheint sicher: Die Decke im Konzertsaal muss raus, eine neue rein.

Kuhnt bringt diese Situation in die Bredouille. In einem Interview mit dem Radiosender NDR Kultur spricht er von Lähmung. „Das Wort ,Katastrophe’ würde ich in diesem Zusammenhang verwenden wollen“, formuliert der sonst so heiter-optimistische Intendant. Es klingt deprimiert: Die Planung ist blockiert, weil eine Aussage der Verwaltung aussteht – und sie steht aus, weil die Gutachter noch bei der Arbeit sind.

Der „Fall MuK“ ist ein komplizierter mit vielen offenen Fragen. Welche Konstruktionen sind wann von wem geplant, errichtet und zugelassen – was jeder private Häuslebauer mit einem Griff in den Aktenschrank beantworten können muss, wird für eines der modernsten Veranstaltungsstätten aktuell erforscht. Dabei geht es auch um die Frage, ob die Stadt nach 21 Jahren noch Schadenersatzansprüche an den Generalunternehmer geltend machen kann.

Begonnen hat das Decken-Desaster im Frühjahr 2015 mit einer scheint’s belanglosen Beobachtung im Bereich des Pförtnereingangs. Dort hing die Zwischendecke durch. Als die Konstruktion vorsichtshalber geöffnet wurde, stießen die Mitarbeiter des Gebäudemanagements auf eine Vielzahl von Kabeln, die nicht wie üblich an der tragenden Decke befestigt waren, sondern auf der Zwischendecke lagen – und diese nicht nur über Gebühr belasteten, sondern auch gegen Brandschutzauflagen verstießen. Wer wann welche Kabel verlegt hat – ein Rätsel.

Und während Dennis Blunk, Chef des Gebäudemanagements, Sofortmaßnahmen zur Absicherung einleitete, lauerte im Benachbarten Konzertsaal weiteres Ungemach: Die Inspizienten, die sich inzwischen bis dorthin vorgearbeitet hatten (und nahezu überall auf mangelhafte Deckenkonstrukte gestoßen waren), stellten fest, dass seit Jahrzehnten dreimal höhere Lasten als zugelassen über den Köpfen der Zuhörer wirkten. Ausgelöst ausgerechnet vom nachträglichen Einbau jener Zwischendecke, die die Akustik verbesserte.

In einer Chronologie zitiert das Gebäudemanagement für Ende September aus der E-Mail eines Gutachters: „Hier wirken viel zu hohe Lasten auf den Noniusabhänger  …  ist mir bei der baulichen Nutzung sehr unwohl.“ Wenig später wird „Gefahr in Verzug (latente Gefahr des Spontanversagens der Decke)“ protokolliert.

Aktuell ist der Konzertsaal bis auf weiteres dicht, wenn gespielt wird, dann im Foyer. Wer jemals zu Gast im Konzertsaal war, den würgen jetzt Fragen wie: „Was wurde wann baupolizeilich kontrolliert?“ „Wurde überhaupt kontrolliert?“ „Die Decke ist seit der Erstellung nicht zugelassen“, soll Gebäumanagement-Chef Bunk laut „Lübecker Nachrichten“ im Bauausschuss gesagt haben. Stimmt das?

Für den terminbepackten Bunk antwortet Stadtsprecherin Nicole Dorel: Das Zitat sei unvollständig. „Die Hansestadt Lübeck hat mit dem Bau der MuK einen Generalunternehmer beauftragt, der nach den bei der Stadt eingereichten und genehmigten Plänen den Bau der MuK auszuführen hatte. Der Generalunternehmer beauftragt im Rahmen seines Auftrags die einzelnen Gewerke und ist für die Bauausführung etc. im Rahmen der Bauleitung verantwortlich. Der Hansestadt Lübeck wurde letztendlich das Gebäude als ‚Gesamtbauwerk‘ übergeben.“ Und zur Decke im Konzertsaal: Diese „ist keine Standarddecke, wie man sie von Herstellern mit Systemstatik und entsprechender Systemzulassung erhält, sondern eine Einzelanfertigung. So ist die Aussage von Herrn Bunk zu verstehen. Aktuell läuft die rechtliche Prüfung bezüglich einer Einzelfallzulassung.“

Bis die gutachterlichen Ergebnisse vorliegen und die rechtlichen Prüfungen abgeschlossen sind, könne man leider nicht mehr sagen. Auch die Lübecker Senatoren Franz-Peter Boden (Bau) und Kathrin Weiher (Kultur) nicht. Näheres vermutlich in der 47. Kalenderwoche. Man wolle sich Zeit für eine gründliche Sanierung lassen, heißt es derweil aus der Verwaltung. Wie gesagt: Das Schleswig-Holstein Musik Festival startet am 2. Juli.

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erstellt am 07.Nov.2015 | 16:33 Uhr

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